Die Hähne krähen hier den ganzen Tag, aber am morgen um 0530 um so lauter.
So standen Nina und ich, sehr früh auf, packten die nötigsten Sachen für eine 3 Tage Tour zum Mount Rinjani, dem mit 3780 Metern, zweithöhsten Berg Indonesiens.
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Der Berg entstand durch eine Vulkan, dessen Krater durch einen idyllischen See gefüllt ist und in dessen Mitte wiederum ein Minivulkan als Insel steht, der vor ca 8 Jahren da letzte Mal ausbrach.
Eigentlich war jetzt keine Saison zum Besteigen des Berges. Die Regenzeit machte ein Besteigen des Berges mit seinem unbeständigen Wetter recht anstrengend und wenn man Pech hatte musste man auf halben Wege umkehren. Wir wollten es dennoch wagen und fanden die Idee, allein dieses Paradies für uns zu haben ganz toll.
Unser erstes Ziel war die Besteigung des Vulkankraterrandes, danach konnten wir je nach Wetterlage entscheiden, ob wir in den Krater hinabsteigen wollten oder direkt zum Gipfel aufsteigen.
Allein diese erste Etappe war mit 2 Tagen Fussmarsch im Lonely Planet -Reiseführer veranschlagt
Das Bemo, der Minibus, fuhr uns die 3 km bergaufwärts zum Ausgangspunkt unserer Trekkings. Hier begann ein schmaler Pfad direkt in den Dschungel. Ab und zu lockerte die Bewaldung auf und wir konnten den atemberaubenden Blick hinab ins Tal und weiter bis ans Meer geniessen.
<< Bild (Nina bei den Termalquellen am Kratersee) |
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Nun wurde der Wald dichter und wir wurden von einem Rudel schwarzer Affen begleitet, die offenbar auf ein paar Leckereien aus unseren Rucksäcken hofften.
Teilweise war der Weg von umgestürzten riesigen Bergen total versperrt und die Natur hatte während der Regenzeit schon fast vollständig den Pfad zurückerobert. Wir schlugen uns mit einem
langen Küchenmesser einen neuen Weg bis wir auf den alten Pfad zurückkehren konnten.
Steile Geröllwege waren die nächsten Hindernisse und meine erst neulich reparierten Boots (Schuhe) wurden sichtlich belastet. Die Sohle drohte anzureissen.
Nach etwa 2 1/2 Stunden Marsch kamen wir zu einem Rastplatz, der zu unserem Bedauern einem Müllplatz ähnelte. Wir konnten nicht verstehen, wie unsere Vorgänger so unbedenklich Ihren Müll, Verpackungen und anderen Kram einfach so liegen lassen konnten.
Dieser Ort hätte das Ziel unseres ersten Tages sein sollen, aber wegen diesemAnblick und da es noch früher Nachmittag war, glaubten wir noch ein gutes Stück voranzukommen.
Jetzt wurde die Bewaldung wieder karger und wir konnten nochmals eine tolle Aussicht geniessen. Es zogen einige dunkle Wolken heran und wir hofften, rechtzeitig über den Regenwolken zu sein. Mit dem Ausfall des Waldes setzte teilweise scharfer Wind ein und wir kamen nur mit Mühe voran. Der einsetzende Regen verwandelte den Pfad erst in ein Rinnsal und anschliessend in einen Bach.
Eine Gruppe Bergsteiger kam uns auf Ihrem Weg bergab entgegen. All diese Singaporianer hatten gelbe Mäntel und gelbe BaseCaps auf, Also eine typische asiatische Touristengruppe.
Etwas später kamen uns Ihre Träger entgegen, die mit FlipFlops (Gummisandalen) in Leichtigkeit diesen Marsch fortsetzten, wo wir zivilisierten Bergsteiger mit hartem Schuhwerk Mühe hatten.
Weiter ging es den steilen kahlen Hang hinauf. Durch den Regen konnte man den Kraterrand nicht erkennen und wenn man bergab sah, schaute man in herabfallende Wolken hinein.
Schon bald waren wir völlig aus der Puste und hofften sehnlichst auf ein Ende des ewigen Bergaufsteigens.
Meine Schuhe waren bis zu den Knöcheln mit Wasser gefüllt und ich malte mir schon die Blasen aus, die ich am Abend behandeln musste. Nina hielt wacker durch. Jede andere Frau wäre schon in Tränen vor Anstrengung ausgebrochen aber sie biss sich bis zur Spitze der Kraterrandes durch.
Oben angekommen hatten wir weder Sicht in den Krater noch zurück, und der anhaltend pfeifende Wind lud nicht gerade zu einer längeren Rast hier oben ein.
Kurzerhand entschlossen wir uns in den Krater langsam hinabzusteigen, sicher bot sich bald bessere Sicht wenn wir unter den Wolken durchgestiegen wären.
Für einige hundert Meter mussten wir noch auf dem Rand der Kraterrandes marschieren, bis wir den steilen Abweg zum Kraterinneren fanden.
Teilweise felsige Kletterpassagen wechselten hier mit fast Rutschpartien an Schotterhängen ab. Die Felsen hingen bedrohlich über unseren Köpfen währen wir jeden dickeren Pflanzenstrauch zum Halt nutzten.
Der Regen pendelte sich in einen Nieselregen ein und das Glucksen meiner pitschnassen Schuhe nahm nun wieder seinen Rhythmus auf. Langsam wurden mir die warnenden Worte Dinos, dem Losmen unserer Herberge bewusst. Wir sollten in keinem Fall im Regen weiter klettern. Aber fürs uns gab es weder vor noch zurück. Wir mussten einfach weiter.
Nachdem ich Nina Gepäck übernahm und meine Schuhe auszog, ging es für eine Weile barfuss besser voran. Als wir langsam das Gefühl hatten, dem Ziel nahe zu sein taten die Wolken etwas auf und wir sahen den Kratersee, allerdings in einer Entfernung die unser Selbstbewusstsein schwinden liess. Wir hatten mindestens noch 2 Stunden Marsch vor und waren seit 8 Stunden unterwegs, total erschöpft. Eine Rastmöglichkeit bot sich nirgends. Also ging es nach einer kurzen Pause weiter. Mechanisch setzen wir unsere Schritte fort. Wenigstens wollten wir vor der einbrechenden Dunkelheit am Ziel sein, denn der Tag ging hier Punkt sechs zu Ende.
Am Seeufer angekommen wurden wir von der Idylle dieser menschenleeren Gegend belohnt. Eine Holzscheune bot sich als vom Regen sicherer Unterstand und nachdem wir ein Feuer zum brennen brachten waren die Strapazen des Tages schnell vergessen und wir schliefen schnell ein.
Am nächsten Tag war ich schon mit dem Sonnenaufgang wach und sammelte Feuerholz. Hier oben war es merklich Kühler und die klammen Sachen mussten getrocknet werden. Endlich brach die Sonne durch und wir entschlossen uns für einen Erkundungstag am See. Das Ersteigen des Gipfels war aufgrund des schlechten Wetters ohnehin nicht möglich.
Nina fand schnell die Thermalquellen und wir kletterten den ganzen Vormittag von Wasserbecken zu Wasserbecken bis wir das Pool mit richtiger Temperatur für uns herausfanden und ausgiebig darin badeten. Hier konnte man im sulfathaltigen Schlamm die ersten Lebewesen der Erde beobachten. Bakterien, die aus Kohlendioxids Sauerstoff produzieren. Gerade diese Bakterien starben später an ihrem eigenen Ausscheidungsprodukt, am für sie giftigen Sauerstoff. (Das lässt uns Menschen und unsere Müllberge nachdenken?)
Auch der See war voller Leben. Am Nachmittag schwamm ich zum Minikrater, während Nina die andere Seite des Sees näher Tausende von Muscheln zierten den Strand und sogar Fische konnte ich im Wasser sehen.
Ich sah Nina am Ufer, während ein Rudel Affen am Waldrand neugierig wiederum sie beobachtete.
Zu unserem Erstaunen mussten wir feststellen, als wir zu unserem Lagerplatz zurückkamen, dass unsere gesamten Vorräte von den Affen gestohlen waren. Sie hatten trotz des nahe brennenden Feuers keine Scheu unsere Rucksäcke zu durchzuwühlen. Uns blieb ein Mars-riegel und eine Vitamintablette als Proviant für den Abstieg. An einen Aufstieg zum Gipfel war nun überhaupt nicht mehr zu denken.
Während unserer Tagesexcursion fand ich einige Stellen mit wilden Tomaten. Ich ging also noch vor dem Dunkelwerden auf die Suche nach Tomaten und machte eine Suppe aus dem uns verbleibenden Gewürzen der 2-Minuten-Nudeln die die Affen nicht anrühreten und den gesammelten Früchten. Das Ergebnis war eine kräftige Suppe, die nicht schlecht schmeckte.
Bewaffnet mit genug Wasser, dem Mars-riegel und einer Vitamin Brausetablette ging es nun am nächsten Morgen wieder bergab. Aber wir wären natürlich keine Abenteurer gewesen , wenn wir nicht eine andere spannendere Route für den Abstieg gewählt hätten. Am besten eine die in keiner Karte vermerkt war. Schliesslich befanden wir uns auf einer Insel und konnten im Notfall ja nur ans Meer anstossen und von dort wieder unseren Losmen finden.
Wir sollten schon früh merken auf was wir uns da einliessen. Der Pfad der teilweise ganz verschwand wand sich einem fast unbegehbaren Tal hinab und wechselte anfangs mal die eine und dann wieder die andere Seite des Flussbetts..
Wir schlugen uns durch dichtes Gestrüpp, marschierten durch viele Bäche und nutzten diese als einzigen "Weg" um durch die dicht bewachsenen Farne durchzukommen. Dann ging der Weg wieder steil hinauf entlang einer Seite des Tals und wir liefen wieder durch ein Rinnsal kleiner Bäche die durch den jetzt andauernden Regen unseren Marsch erschwerten.
Wir waren trotz der Strapazen begeistert von unserer Wahl. Hier war bestimmt nur selten jemand vorbeigekommen. Wir sahen Wasserfälle die aufgrund der Regenzeit in phantastsischen Kaskaden zu mehrere Hundert Metern in die Tiefe stürzten. Die Farben im Spiel des Lichts waren unbeschreiblich schön und selbt die Photos die wir machten konnten diese Farben nicht wiederspiegeln.
Nachdem wir am Fusse des Berges ankamen verschluckte uns der Dschungel und unsere Orientierung war allein auf unsere Sinne gestellt. Viele Wahlmöglichkeiten hatten wir ohnehin nicht, als den manchmal auftauchenden Pfad zu Folgen. Dann marschierten wir wieder für eine ganze Weile ohne jeglichen Hinweis auf irgendwelche Spuren.
Nachdem wir eine Höhle passierten, bei der wir schon an Übernachtung dachten hörte ich plötzlich klopfende Geräusche.
Wir konnten nur unweit einer Siedluung sein. Und richtig sahen wir auch bald 2 Gestalten einen riesigen Baumstamm tragend vor uns im Dchungel verschwinden. Schneller laufend folgten wir der Spur, doch nach etwa einer 3/4 Stunde intensiven Laufens konnten wir keine der Personen einholen. Es war wie eine Fata Morgana, wir hatten keine Abzweigung auf unserer Verfolgung bemerkt und konnten uns nicht vorstellen, dass die zwei Holzarbeiter mit ihrer schwehren Last schneller waren als wir, aber trotzdem mussten wir aufgeben. Wir konnten sie nicht einholen.
Also marschierten wir weiter bis wir einer Wasserleitung folgen konnten. Wir brauchten der nur zu folgen bis wir zu einer Siedlung kommen würden. Aber weit gefehlt. Wir standen verstört an einer Lichtung und sahen in den Abgrund eines Tales, in die die Wasserleitung mündete ohne Hinweis auf eine Siedlung in der Nähe.
Mechanisch marschierten wir weiter, Nina und ich trugen wegen der vielen Blasen schon keine Schuhe mehr, sondern liefen in mit den Sohlen eingefassten Strümpfen.
Es sollte noch mehr als 3 Stunden dauern, nochmalige Freischlagen durch engstes Gestrüpp erfordern und die Sonne bereits untergegangen sein, bis wir nach 13 Stunden Fussmarsch auf Holzarbeiter, einfache indonesische Leute stiessen, die und herzlich aufnahmen.
Total ausgehungert schlangen wir den offerierten Reis, gedörrten Fisch uns scharfe Gewürze in uns hinein. Ohne viele Worte fielen wir schnell in den Schlaf.
Am Morgen, nachdem wir unsere Rucksäcke mit dem Verschenken wie T-Shirts und eine Decke als Dankeschön für die freubndliche Aufnahme entlasteten ging es weiter.
Nach 2 Stunden erreichten wir die erhoffte Strasse, fanden einen Bus der zürück zu unserem Losmen fuhr und waren um ein Abenteuer reicher, dass ich nicht missen möchte und immer wieder farbenfroh erzählen kann.
© Frank Schefter 1998/99 |