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Tagebuch Oktober 1999

29. Oktober 1999 Für 3 Tage gab es starke nordöstliche Winde. Diese Windrichtung ist für den Mandrakihafen nicht sehr angenehm. Die Wellen laufen teilweise ein und wir schaukelten die ganze Nacht . Roland, unser holländischer Nachbar von der SY Arrow, meint dies passiere nur etwa 5 Tage pro Jahr. Nun wir haben schon 3 Tage ausgehalten. es kann also nur besser werden.

Der Gang zur Bootswerft wird nun schon fast zur Routine. Doch bisher hatte ich kein Glück. Aber allmählich werde ich mit einigen Seglern bekannt und glaube so in Zukunft etwas Arbeit auf die Beine stellen zu können. In der Zwischenzeit programmiere ich Webseiten. Das einzige Problem ist die Stromversorgung. Sobald ich etwas Geld verdient habe, muss ich unbedingt eine Lichtmaschine zum Laden der Batterien einbauen. Das PowerBokk zieht genug Ampere. Bisher haben die Solarpanel und zum grössten der Windgenerator diesen Job übernommen, aber in einer geschützen Marina hilft das leider wenig. Ich stelle nun teilweise den Kühlschrank ab, damit die Akkus am tage nachladen können. Aber es reicht nicht aus. Wir müssen wieder segeln gehen, denn dann hat es genug Wind;)

25. Oktober 1999 Die Lage wird wieder etwas prekär. Durch unseren Ausgabenstopp leben wir momentan nur von den Einnahmen aus Gelegenheitsjobs. Das letzte Wochenende brachte wenig ein und so erbrachte der heutige Kassensturz 40 Mark Restkapital. Nina war auf dem Weg in die Stadt und wollte nach dem deutschen Konsulat fragen. Es kann ja sein, das sie ein paar Adressen wissen oder gar eine Arbeitsvermittlung kennen. Ich machte mich erneut auf den Weg in die Schiffswerft und wollte mich nach Jobs umsehen. Kaum angekommen traf ich Jochen und Senta, von der SY Pico. Mit Ihnen bin ich im letzten Jahr nach Kappadokien gefahren. Sie waren gerade dabei ihr Schiff ins Wasser zu lassen. Jochen meinte noch er hätte in Mandraki Ausschau gehalten und ich hätte ihm sicher beim Klarmachen des Schiffes helfen können. Tja, das war Pech, doch damit nicht genug ging mir heute noch eine Gelegenheit ein Charterschiff nach Athen zu überführen "durch die Lappen". Doch der Wille ist da, und wie man sieht Gelegenheiten bieten sich hier und da.

Nina hatte auch kein Glück. Als sie im Supermarkt den Korb abstellte und bezahlen wollte. Die Verkäuferin schüttelte nur den Kopf und dann erst merkte Nina, dass sie das falsche Geld (türkische Lira) mitgenommen hatte. Sie war extra den weiten Weg zu einem preiswerten Markt gelaufen und musste nun mit leeren Händen zurückkehren.

24. Oktober 1999 Seit wir in Rhodos sind haben wir eine sehr schnelle Internetverbindung. Wir könnten nun tägliche updates senden. Ich habe auch schon angefangen eine Menge Bilder in das Verzeichnis zu senden, aber noch keine Zeit gefunden die Bilder zu verlinken. Ich war mit Erstellung einer Webseite für meinen Bruder beschäftigt und hatte kaum Zeit für die Eigene. Geschäft geht eben vor:)

Wir hatten unseren Plan nach Fethiye, Türkei, zu segeln abgesagt und blieben in Rhodos, weil für das Wochenende wieder Arbeit auf den Charteryachten lockte. Aber es stellte sich dieses Wochenende heraus das die Chartersaison nun langsam zu Ende geht und wir hatten wenig zu tun. So verbrauchten wir wieder mehr Geld für die Marina und Lebensausgaben als wir wollten. Auf der anderen Seiten sind wir froh, bereits mehr als 3 Wochen ohne unsere eigenen Ersparnisse leben zu können und ich bin optimistisch, dass wir wieder andere Arbeit finden werden.

Das Leben in Mandraki ist ziemlich angenehm. man lebt im Zentrum der Stadt. Alle wichtigen Geschäfte, die Post und Sehenswürdigkeiten sind gleich um die Ecke. Die Griechen sind hier etwas freundlicher als diejenigen die wir bisher in Rhodos wahrgenommen haben. Unsere holländischen Nachbarn haben eine 6 jährige Tochter an Bord. Nastasja und Sarah sind nun Spielkameraden. So wird es auch für Nastasja nie langweilig.

Die ersten Tiefdruckgebiete ziehen über uns, doch die dicken Wolken regnen sich über der türkischen Küste ab. Bei uns ist es weiterhin angenehm warm und sonnig.

17. Oktober 1999 Nachdem wir lange voller Sorgen in die Zukunft unseres Seglerdaseins blickten, scheinen sich jetzt die Wolken zu verziehen. Wir haben uns für Rhodos als vorläufiges Winterlager entschieden. Es ist nicht zu schwer Arbeit hier zu finden und so können wir unser Budget auffüllen, bzw haben keine Ausgaben. Als wichtigestes Auswahlkriterium galt der Besuch des Hospitals. Es hat unter Seglern einen schlechten Ruf, doch wir hatten von der Kinderabteilung einen guten Eindruck. Die Kosten für eine ambulante Geburt sind aktzeptabel. Man bezahlt nur die Zimmerkosten (ca 150 Mark) pro Tag. Damit sind alle Kosten für die ambulante Geburt bezahlt, auch operative Eingriffe und Medikamente werden nicht verrechnet.

Nina ist nun sehr beruhigt und wir bemühen uns weiter um Arbeit, damit wir den Winter überleben, ohne unsere Ersparnisse aufzubrauchen. Das war und ist unsere Hauptsorge. Schliesslich wollen wir nicht nach einem langweiligen Winter ohne Mittel unser Projekt AMBERELLA aufgeben.

15. Oktober 1999 Ausser Decks waschen gibt es auch besser bezahlte Jobs, die auch Spass machen. So habe ich heute mit Roland, einem Holländer der mit seiner Frau und Tochter (6 Jahre) auf dem Schiff lebt, eine Charteryacht nach Kos überführt. Der Törn war ziemlich eintönig, mit 5-6 Windstärken gegenan, doch wir liessen die Segel, trotz Motor, etwas aus und kreuzten 72 Meilen in 10 Stunden. Wir nahmen die Nachtfähre zurück nach Rhodos und ich war rechtzeitig im Hafen für mehr Arbeit auf den Charterbooten.

11. Oktober 1999 Ich habe hier in Rhodos am Freitag vormittag nach Arbeit gesucht und war bereits um 1200 angestellt. Bei einer Segelcharter Firma habe ich Decks gewaschen, Motoren gecheckt und Segel gewechselt, also wie Autovermietung nur eben mit Booten. Der Lohn ist zwar nicht umwerfend aber ohne Haus und Hof, kann man davon leben. Somit kann ich mich auch wieder zur arbeitenden Klasse zählen, wenn auch nur auf Zeit.

Nina war auch auf einigen Charterbooten und staunte über deren tolles Schlafplatzangebot, war aber heute wieder sehr froh auf unserer AMBERELLA das Heimische zu entdecken. So schlecht haben wir also nicht gebaut.

Natürlich ist diese Arbeit nichts für den ganzen Winter zumal die Saison nächsten Monat ohnehin endet. aber es stimmt auch optimistisch, dass wir in der Nähe des Bootes für den Winter ein Auskommen finden um im Frühjahr weiterzumachen. Ohne das kommende Baby, wäre es sicher einfacher in die Schweiz zu fliegen und dort zu jobben, aber so ist es für alle Beteiligten eine grosse Belastung wenn wir mit Sack und Pack einfach aufkreuzen.

9. Oktober 1999 Wer wissen will, wie wir zu solch strahlendem Teint kommen sollte auf Nina's Seite über Olivenoel nachlesen.

Wir warten mit griechischer Ruhe auf unser Packet aus Deutschland. Die Zwischenzeit füllen wir mit Gelegenheitsjobs im Hafen.

5. Oktober 1999 Ich wechselte den Kühlschlauch der uns auf dem Weg nach Rhodos Sorgen bereitete. Ansonsten haben wir nicht vor irgendein Projekt zu starten, weil wir sobald unsere Post im GPO Rhodos eintrifft sofort nach Fethiye absegeln wollen. Momenatn ist es jedoch totale Flaute.

Eben hörten wir im Radio, dass es ein Erdbeben der Stärke 5.3 die Gegend um Marmaris erschütterte. Es entstand grösstenteils Sachschaden. Einige Mernschen wurden verletzt.

Die Erdbebenwelle die momentan die Türkei erschüttert, ist schon bedenklich. Fethiye , unser Winterlageplatz, wurde zB 1958 komplett durch ein Erdbeben zerstört.
Die Welle der kleinen Erdbeben, die nach dem tragischen grossen Beben in Izmit (nahe Istanbul) fortsetzt, scheint den Süden nun zu erreichen.
Bereits vor 2 Wochen. als wir in Ciftlik, na he Marmaris ankerten, erschütterte ein Beben in Bodrum, ca 50 Meilen entfernt, die Erde.

Bei diesem Gedanken fühlen wir uns auf See wirklich wohler, wenn nicht gerade eine Tsunami-Welle aufkommt. Sie sind bekanntlich eher in Ostasien, besonders Japan bekannt. Da wäre es ohnehin zu kalt für uns verwöhnte Sonneanbeter.

Ich habe nun endlich Gelegenheit wieder ein Bild aufzuspielen. Es zeigt auf was wir in der ganzen Zeit auf dem Deck getrieben haben. Das Deck wurde teilweise aufgeschnitten und das verrottete Balsaholz entfernt. Dann wurde Sperrholz einlaminiert und das Deck wieder zugedeckt. Nachdem die Flächen gerade gespachtelt und geschliffen wurden, trug ich Epoxidharz auf, streute Sand auf,(um eine rutschfesten Untergrund zu schaffen) strich eine weitere Epoxidfarbschicht darüber und beendete den Anstrich mit zwei lagen weisser Polyurethanfarbe. Ausserdem baute ich zwei verstärke Rahmen für zwei Decksluken, die bisher flach auf dem Deck lagen. Der Vorteil der erhöhten Rahmen liegt auf der Hand. Der Bereich um die Luke wird steifer und die Erhöhung schützt vor Wasser, das plötzlich über das Deck spülen könnte.

2. Oktober 1999 Die ganze Nacht bliess es Fallböen, doch AMBERELLAs Anker hielt. Schon morgens um 0800 setzten wir Segel und machten Kurs Rhodos. Während der Überfahrt hatten wir Funkkontakt mit zahlreichen Seglern, sogar Georg, von SY Isenisca, konnten wir aus dem 45 meilen entfernten Fethiye hören. Dies bewies, dass meine neue VHF Antenne eine gute Leistung bringt. Von Tom erneut kein Lebenszeichen. Wahrscheinlich hat er sich entschlossen weiter südlich nach Symi zu segeln, dachten wir.

Wir ankerten an unserem Stammplatz in Rhodos, dem Sefyros Beach. Nach 6 Wochen Türkei fielen mir sofort die westliche Musik auf, die in den Bars gespielt wurde. Nach einem langen Stadtbummel, bei dem wir ein paar neue abgelegene Gassen in der Rhodos Burg fanden, fuhren wir mit dem Taxi zurück zum Strand. Siehe da, Tom war auch angekommen, scheinbar klemmt sein Funkgerät. Seine Gäste luden uns zu einem griechischen Abendessen ein, zu dem wir nich NEIN sagen konnten:)

1. Oktober 1999 Bei leichten Winden verliessen wir Ciftlik, um uns etwas südlich mit Tom von der SY Thulin, für die gemeinsame Fahrt nach Rhodos zu treffen. Wieder stoppte unsere Maschine nach nur 45 Minuten. Erneut hatten wir Luftblasen im Diesel. Ich hatte gehofft in Marmaris das Leck mit Toms Hilfe gefunden zu haben, doch jetzt bin also gezwungen die gesamte Kraftstoffleitung auszutauschen, um das Luftproblem zu lösen. Doch damit nicht genug, platzte auch noch ein Kühlschlauch. 2 Stunden versuchte ich einen anderen Schlauch an der gleichen engen Stelle zu krümmen, hatte aber keinen Erfolg und flickte so notdürftig den alten Schlauch mit Klebeband. So verbrachten wir den vormittag ohne Motor auf komplett windstiller See. Am Nachmittag setzte dann eine Brise ein und wir kreuzten gegenan. Von Tom war keine Meldung auf dem Funk. Er schien unerreichbar weit weg zu sein. Nach mehreren Stunden entschlossen wir uns eine Bucht anzusteuern, die nur 6 Meilen von unserem Startpunkt entfernt lag. Fürs Erste hatten wir genug.

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