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Tagebuch Oktober 2000

3. Oktober 2000 Ich verbringe 2 Tage mit meiner Webseite. Es ist mühsam das Erlebte nachzuschreiben. Viel lieber schreibe ich spontan die Geschehnisse auf, anstatt alles nachträglich zu rekonstruieren.

Menorca, Mahon, Sept 2000

Doch was passierte nun mit Amberella nach der Abreise meiner Eltern von Mallorca?->

Oktober 2000 Amberella segelt von Mallorca, über Ibiza, Formentera zum spanischen Festland.

Wir brachen mittags von Cala Portals, der schönen Bucht nahe Palma auf und setzten Segel mit Kurs nach Ibiza. Die Ueberfahrt während der Nacht war ereignislos. Wir hatten eine leichte Brise und kamen gut voran. Ibiza empfing uns mit strahlendem Wetter und wir machten eine Pause im Norden der Insel. Michel, der uns weiterhin mit seiner Yacht "Nomad" begleitet, traf wieder einmal auf alte Freunde und war für den Rest des Morgens im Rumpf einer französischen Yacht verschwunden. Später segelten wir bei sehr leichten Winden die Ostküste Ibizas entlang und trafen uns direkt vor der Stadt Ibiza wieder.

An einem kleinen Strand gingen wir vor Anker, obwohl die Marinas reichlich Platz boten. Doch trotz der attraktiven Winterpreise wollen wir unser Budget schonen. Ausserdem haben die Kinder am Strand mehr Spass als in einer Marina, wo keine Kinder anzutreffen sind. Nina erkundete Ibiza Stadt, die sie schon von einem Ferienjob aus Teenagerjahren her kannte. Sie meinte es habe sich bis auf zahlreiche neue Gebäude wenig verändert.

Wir wollen weiter zum Festland Spaniens segeln, denn die Zeit für unser Winterlager ist reif. Doch dann treffe ich überraschend auf einen alten Bekannten.

Mein Tagebuch schreibt:"Amberella ankert sicher nahe Ibiza Stadt, und wartet auf besseres Wetter. Es gab gestern einen Sturm mit 11 Windstärken nahe dem Golf von Lion und so haben wir momentan keine Lust die Nase in den Wind zu stecken.
Das die Welt klein ist, wissen wir, aber dass die so klein ist hätte ich nicht gedacht. Gestern in Ibiza sah ich eine kleine Segelyacht namens "Sarah" mit amerikanischer Flagge gleich neben uns ankern. Ich sah durchs Fernglas und konnte meinen Augen nicht trauen. Es war Fred, eines der Crewmitglieder an Bord der Yacht "Black Magic" auf der Nina und ich 1996 von Perth nach Darwin, Australien und weiter nach Ambon, Indonesien segelten. Fred kam damals für die 6 Tage andauernde Regatta von Darwin an Bord. Wir sprachen damals schon beide über unsere Pläne eine eigene Yacht zu haben und hier sassen wir im Cockpit der Amberella, 4 Jahre später, hatten viel zu erzählen uznd jeder seine eigene Segelyacht. Wahnsinn, ich kanns immer noch nicht glauben. "

So ein Wiedersehen musste natürlich gefeiert werden. Fred erzählte mir seine Story, wie er nach der Ambon Darwin Regatta weiter segelte und schliesslich sein eigenes Schiff "Sarah" in Zypern fand. Natürlich wurde der Abend sehr feuchtfröhlich und wir planten auch gleich eine gemeinsame Weiterreise.

Doch schon am nächsten Tag schlug das Wetter um und wir konnten unseren Ankerplatz nicht mehr halten. Nachdem wir Wasser und Diesel an der Mole aufnahmen entschlossen wir uns südlich am Playa en Bosso von Ibiza Stadt neu zu ankern. Fred flüchtete in die Marina und so waren Michel "Nomad" und "Amberella" allein am grossen Urlaubsstrand von Ibiza. Über UKW Funk hielten wir Kontakt und wollten uns auf einen Treff verabreden. Es stürmte für 2 Tage und Fred entschloss sich auf einen Besuch mit seiner angereisten Freundin Annie. Sie kamen mit dem Bus an den Strand und wir wiederholten unsere Wiedersehensfreuden. Als am folgenden Tag das Wetter etwas besser wurde und vor allem der Wind zu unserem Vorteil drehte liefen wir 6 Meilen weiter südlich zur Insel Es Palmador.

Die Insel Es Palmador ist teilweise unbewohnt und ihre Attraktion sind der weisse Strand und diverse warme Schlammbäder. Nun der Strand war von Algen übersäht die vom letzten Sturm angespült wurden, doch wir genossen es eine Insel fast ganz für uns allein zu haben. Mit dem verbesserten Wetter trafen natürlich auch bald Ausflügler mit Ihren Motorbooten und Jetskies ein. Unsere Idylle wurde getrübt. Einer der Motorbootfahrer hatte es so eilig an Land zu kommen, dass er vergass den Anker richtig auszulassen. Ich wurde vom dumpfen Aufprall an Amberellas Rumpf geweckt und fand eine grosse Motoryacht gegen Amberella treibend. Die Crew an Bord hatte offensichlich keine Ahnung wie sie dieses Schiff bedienen sollte, geschweige wie man den Anker der offensichtlich faulte, bergen sollte. Ich sprang kurzerhand an Bord der Yacht und noch mehr Schrammen an Amberella zu vermeiden. Keiner der Spanier sprach eine andere Sprache und mein Spanish war noch sehr dürftig. Der Wind blies die Yacht weiter in Richtung Strand und Felsen und löste sich von unserem Schiff. Es trieb nun frei. Keine Spur vom Kapitän des Schiffes und die 3 Gäste an Bord waren weiterhin überfordert. Ich fand die Schalter für die elektrische Ankerwind und liess den Anker aufholen. Zu meiner Überraschung befand sich nur ca 7 Meter Kette am Bug. Da noch genug Platz zum Strand vorhanden war machten wir ohne Maschine ein neues Ankermanöver und endlich war die Yacht fest. Als der Besitzer einige Zeit später an Bord kam, war er sichtlich peinlich berührt. Er bot mir Kompensation für die Schrammen an Amberella, die sich jedoch als Gummischmierspuren herausstellten. Wenigstens sind diese Motoryachten gut "gepolstert". Als Beute für die Rettung der Motoryacht schaffte ich jedoch eine Flasche besten Champagners an Bord.

Am nächsten Tag traf Fred mit Freundin Annie ein. Sie segelten diesmal mit ihrer "Sarah" aus Ibiza ein, und wir liessen uns von Annies asiatischen Kochkünsten verwöhnen. Natürlich war auch Michel mit dabei.

Wieder drehte der Wind und unser Ankerplatz wurde sehr ungemütlich. Wir entschlossen uns nach Formentera in die Marina Sabina zu segeln. Michel der kein Geld für Marinas ausgeben wollte segelte zurück nach Ibiza. Wir selbst wollten die Marina zum Wäschewaschen nutzen und da Fred und Annie den gleichen Plan hatten konnten wir gemeinsam die Insel erkunden. Die Winterpreise der spanischen Marinas sind sehr attraktiv. Im Sommer zahlt man fast den 5fachen Preis. Hier würden wir bei unserm kleinen Budget nicht lange aushalten können. Doch die Balearen sind ohnehin nur noch im Winter attraktiv, denn im Sommer ist alles so überfüllt, dass man von Seglerfreiheit nicht mehr reden kann. Doch es ist Herbst und wir trafen nur wenige Schiffe an.

Formentera wurde zu einem Erlebnis. Die Küstenlandschaft und auch das Inland sind sehenswert und die Insel hat sich trotz starkem Tourismus einen Charme erhalten.Wir mieteten gemeinsam einen Wagen und fuhren die kleine Insel ab. Die steile Ostküste ist unbeschreiblich. Ein Paradies für Seemöven aller Art. Im Sommer kann man auf den terrassenartigen Vorsprüngen auch mal eine Nacht verbringen und die Sonnenaufgänge geniessen. Zu diesem Zweck fuhren wir auch am frühen morgen ans Cap de Barberie und warteten am Leuchtturm auf die ersten Sonnenstrahlen.

Jetzt war es Zeit zum Festland aufzubrechen. Endlich war auch der Wetterbericht freundlicher. Wir mutierten schon zu Wetterexperten nachdem wir den französischen, den deutschen und den spanischen Wetterbericht verglichen, konnten wir ziemlich genau die richtige Vorhersage treffen.

Der Wind blies recht frisch aus Nordost und es war teilweise bedeckt. Hier und da sahen wir noch Regenschauer am Horizont, doch die Wolkendecke riss immer weiter auf. Wir segelten bei halbem Wind und waren guter Laune als wir ein Wetterphänomen besonderer Art beobachten durften. Eine Wasserhose bildete sich in den Wolken und schoss auf den Meeresspiegel hinab. Das aufgepeitschte Wasser wurde hochgesogen und die Turbulenzen waren aus unserer Entfernung deutlich sichtbar. Eine zweite Wasserhose formte sich und ich peilte die Laufrichtung dieses Minitornado.

Die Wasserhose lag nun nicht mehr sehr weit entfernt und nach meiner Peilung kam sie auf uns zu. Nina wurde unruhig, ich holte erst mal die Kamera, während Nina alles was nicht fest verstaut war in die Backskisten warf. Michel war noch näher drann und er rief aufgeregt über Funk. "Das habe ich während meiner ganzen Weltreise, nicht erlebt". Die ersten zwei Wasserhosen lösten sich vor unseren Augen, zur Erleichterung aller, auf.

Doch ich sah an in den Wolken dass der Spuk noch nicht vorbei war. Zuerst bildeten sich erneut oberhalb in den Wolken zwei Schläuche, die wie die Euter einer Milchkuh aussahen. Dann schoss dieser Schauch erneut in die Tiefe zum Wasserspeigel und dort sahen wir wie das Wasser zerstob, verwirbelte und nach oben gepumpt wurde. Was für eine Kraft. Diesmal nahm die Hose eine andere Bahn und wir beobachteten sie mit Respekt.

Wie erwartet machten wir eine schnelle Passage zum Festland und auch der Wind drehte zu unserem Vorteil. Den Motor mussten wir jedoch auch einige Zeit benutzen. Diesmal fand ich erneut ein Luftleck, das alte Problem und unser Diesel lief diesmal problemlos ohne Pause.

Während Michel weiter nach Torreveja segelte wollten wir schon in Alicante eine Pause einlegen. Doch entgegen unserem Segelführer war der Hafen komplett verbaut und bot keine freien Ankermöglichkeiten, wie im Buch beschrieben. So verliessen wir bei starken thermischen Winden den Hafen und suchten eine Landzunge zum ankern. Als in der Nacht der Wind einschlief nutzten wir die Gelegenheit ein Kap südlich von Alicante mit Motor zu runden und später die Morgenbrise entlang der Küste nach Torreveja. Michel wartete schon im Hafen. Hier konnten wir im Hafenbecken ankern und gingen auch gleich an Land auf Erkundung. Die Küstenstädte Spaniens boten bisher wenig Charme, vielmehr waren es oft Beton und Hotelkomplexe. So auch Torreveja. Die Stadt erinnert mich an alte Plattenbautensiedlungen in der ehemaligen DDR.

Wir bleiben nicht lange, sondern warteten nur auf eine Gelegenheit das Kap ... zu runden. Bisher hörten wir nur von stürmischem Wetter in dieser Gegend und wollten gerne einen ruhigen Törn angehen. Als wir ablegten hatten wir perfekte Windverhältnisse und "flogen" förmlich die Küste entlang. Für einige Stunden hatten wir einen blinden Passagier, ein Seevogel an Bord, dem die Flugpause an Bord sichtlich gefiel. Er sass lange auf dem gerefften Grossbaum und erholte sich. Sobald er den Duft des Landes zu riechen schien war er wieder auf und davon.

Nachdem wir das Kap ... gerundet hatten bot sich uns die felsige Küstenlandschaft nahe Karthagena. Wir waren in der Lage fast bis zur Hafen einfahrt zu segeln, suchten uns dann aber einen Ankerplatz ausserhalb des Stadthafens. Bei felsigem Grund und 10 Meter Tiefe fiel der Anker.

Der Morgen war turbulent und es ist schwer alle Geschehnisse genau aufzuschreiben. Wir wurden von kratzenden Geräuschen geweckt und als wir auf Deck sahen, bot sich uns ein erstaunliches Bild. Schlamm und Zweige flossen um unsere Amberella und eine Menge Müll trieb in Massen vorbei. Zuerst dachten wir wir ankern direkt neben der Müllentsorgung, doch als sich die Fischerbote die vor uns vertaut waren lösten und abtrieben, erkannten wir dass wir in eine Schlammlawine geankert hatten. Was war geschehen. In der Nacht hatten starke Regenfälle die Ganze Gegend heimgesucht und nun schoss das Wasser aus den Bergen die Täler hinunter. Nach den weggespülten Fischerbooten kamen die ersten Müllkontainer. Dann flossen Autos vorüber. Michel stiess ein Auto von seinem Bug weg und es sank nur wenige Meter hinter ihm. Was für ein Morgen.

Mein Tagebuch schreibt: "Falls Ihr glaubt dass man beim Segeln nicht mit Autos zusammenstossen kann, dann täuscht Ihr Euch. Heute morgen wachten wir auf und sahen eine Menge Müll an Amberella vorbeitreiben. Unser Ankerplatz lag an der Mündung eines kleines Baches und es hatte über Nacht sehr stark geregnet. Zuerst sah Nina ein kleines Fischerboot abtreiben, dann diverse Möbel, Telegraphenmasten und Stahlcontainer. Jetzt war es Zeit zum abhauen, wollten wir noch von dem ganzen Müll freikommen, der um unsere Ankerkette hing. Dann sah Nina das erste Auto vorbeitreiben und es folgten mehr. Während Michel vor seinem Boot "Nomad" einen roten Ford Fiesta wegdrückte, der an seiner Ankerkette hängenblieb, sah ich einen weissen Mercedes knapp an Amberella vorbeitreiben und er sank in unmittelbarer Nähe. Wahnsinn, was für ein Morgen!
Ich startete den Motor nicht, aus Angst die Kühlung würde verstopfen, wenn wir Schmutzwasser ansaugen. So nahmen wir den Anker hoch und trieben mit dem Strom, setzten Segel und machten uns von dem Wirrwar frei. Weitere Autos trieben entlang, zwei Campingwagen, diverse Motorboote und Dinghi, und erneut Müllcontainer.
Als wir einen neuen Ankerplatz am Strand suchten war es unmöglich bei dem starken Wind dicht an die Küste zu kommen. Mein Windgenerator spielte verrückt und liess sich nicht abschalten. Er klang wie ein landender Helikopter. So segelten wir mit einem taschentuchgrossen Segel entlang der Küste mit immer noch 6.5 Knoten und fanden einen kleinen Fischerhafen, in Mazaronni.
"

Auch in Mazaronni konnte man das Ergebniss der Regenfälle sehen. Erdrutschartige Ströme flossen durch die Strassen. Wir hatten zuerst vor der Stadt geankert, doch Nina war nicht bereit bei dem Wetter im Dinghi an Bord zu rudern und wartete mit Selina-Baby im Fischerhafen auf Amberella, die ich im Einbruch der Nacht und strömenden Regen in den Hafen manövrierte. Nastasja, 3 Jahre alt, war unschlagbar als "Seejungfrau" aktiv. Gleich als ich die Ankerwinde anstellte sprang sie ohne ein Wort zu sagen zum Ankerkasten und legte die Kette aus, damit diese nicht verklemmt. Auch als Leinengeber ist sie schon ein Ass.

In Mazzaroni machen wir die Bekanntschaft mit der Yacht "Hippokampos" mit Pat und Reidulf. Sie waren auf dem Weg zu den Kanarischen Inseln. Pat sprach Nina Mut zu, die momentan oft am Zweifeln nach dem Sinn unseres Seglerlebens ist. Die Stimmung die bei Nina wie das Wetter wechseln kann liegt derzeit am Tiefstpunkt. Wir haben oft Diskusionen über den Fortgang unserer Reise. Ich hoffe auf einen guten Winterhafen, wo wir uns von den Strapazen der letzen Segelsaison erholen können, und Mut zu neuen Taten tanken.

Von Mazzaroni aus segelten wir zur Stadt Aguillas, weiter nach Carboneras. In beiden Städten legten wir einen kleinen Landgang ein. Carboneras war der ersten Ferienort der mir gefiel. Die kleine Stadt hatte Charme und bestand nicht aus Billighotelbunkern, sondern aus vielen kleinen Ferienhäusern.

Nach Carbonereas rundeten wir das schöne Kap de Gatp mit seinen eindrucksvollen fesligen Buchten. Dieser Nationalpark den man teilweise nur vom Meer aus aufsuchen kann ist sicher nochmal eine Reise wert.

Wir ankerten vor San Miguel. Michel "Nomad" der am Morgen mit uns ablegte rief aufgeregt über Funk, dass er einen grossen Tintenfisch am Anker gefangen hatte. Einfacher kann man nicht zu einer Mahlzeit kommen. Die grosse Bucht von Almeria überquerten wir bei idealen Segelbedingungen und machten fest in der Marina von Aquadulce. Fast am Ziel unsere Reise stellten wir in Aquadulce fest, dass die Marinas in Südspanien alle für den Winter ausgebucht schienen. Unser Zielhafen Almerimar mit über 1000 Anlegeplätzen nahm keine neuen Schiffe wegen Überfüllung auf. Nach dieser Nachicht berieten wir lange was wir tun würden. Sollten wir weiter zu den kanarischen Inselkn segeln, oder Marrocco anlaufen? Viel Zeit blieb uns nicht, denn um die Kanaren anzulaufen waren wir reichlich spät unterwegs. Wir überschliefen die Sache, verdauten die Nachicht und den Tintenfisch und schmiedeten neue Pläne.

 

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