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Tagebuch September 1999

30/09/99 Als ich heute die Fische im kristalklaren Wasser um unsere AMBERELLA schwammen sah, begann ich sie mit Brot zu füttern. Plötzlich steht Nastasja mit ihrem Spielzeugfischernetzt vor mir uns will sie fangen. Da hielt ich also das Netz dicht in der Nähe des Brotes und schnappte immer wieder mit dem Netzt sobald ein Fisch sich an das Brot heranwagte. Innert 10 Minuten hatten wir 5 kleine Fische im Eimer, gerade genug zum Abendbrot. Sie schmeckten in Butter gebraten mit Zitrone einfach phantastisch.

29/09/99 Hurra, das Deck ist fertig. Was lange wärt wird endlich gut. Nina und ich sind ziemlich zufrieden, mit dem Ergebnis. Der Sand wirkt als perfekte rutschfeste Oberfläche und ist trotzdem nicht zu rauh. Für Nastasja haben wir jetzt ein Netz um die Reling gespannt, damit die nun freier auf dem Deck umherlaufen kann.

27/09/99 Heute fahren wir alle gemeinsam mit dem Bus nach Marmaris. Es gibt seit Tagen keinen Wind, so dass wir AMBERELLA lieber in Ciftlik lassen. Wir kaufen die nötigen Farben und senden unsere emails, weil in Ciftlik keinerlei Möglichkeiten hierfüpr bestehen. Mein GSM Modem hat keinen Empfang hier.

25/09/99 Jetzt wo wieder Lust am Bau entflammt fehlen uns die Mittel. Nina fuhr bereits 2 mal nach Marmaris um mehr Farbe zu kaufen. Ohne Erfolg. Jetzt haben wir sie bestellt und hoffen auf das "türkische Wunder" Pünktlichkeit!! Ich hatte mich total bei der Menge der Farbe für das Deck verschätzt, denn ich vergass, dass der Sand den wir als rutschfesten Untergrund aufs Deck streuten, die Oberfläche um ein vielfaches vergrössert.

24/09/99 Die letzten Tage vergingen in ziemlich frustrierender Stimmung. Für 4 Tage konnte ich überhaupt nichts am Schiff unternehmen. Immer wieder redete ich mir willkommene Ausreden ein, um mich vor der Arbeit zu drücken. Diejenigen die mir immer wieder sagen, dass man faul wird sobald man auf einem Schiff wohnt bekommen recht.

Mit Nina führe ich immer öfter Diskussionen über unsere Ziele und Möglichkeiten. Sie neigt eher dazu das Bootsleben aufzugeben. Am meisten bereitet ihr die Unsicherheit Unbehagen. Vom Traum einer Weltumsegelung reden wir schon eine ganze Weile nicht mehr. Momentan ist wichtiger wie wir über den Winter kommen und was danach. Die Langfahrtensegler die wir treffen sind entweder pensionierte Frührentner oder noch rüstige Leute, die aber finanziell gut abgesichert sind. Junge Familien sieht man fast gar nicht auf anderen Booten. So ist der Erfahrungsaustausch in Bezug aufs finanzielle Überleben sehr beschränkt. Oft werden wir gefragt wie wir den unsere Reise finanzieren, da wir ja nicht aussehen wie Rentner. Das wir vom Ersparten leben ist das oft unverständlich.

18/09/99 In punkto Wetter-Kommunikation hatte ich jetzt einen Erfolg. Nachdem ich mit dem Programm Multimode (siehe http://www.blackcatsystems.com ) immer nur die Wetterkarte als Fax aus dem Radio laden konnte, die nur wenig nützt weil man daraus erst Schlüsse ziehen kann, wenn man täglich Karten in laufender Folge ablädt, klappte nun zum ersten Mal der Empfang von RTTY. Das ist eine Art NAVTEXT. Da kommen 5 Tage Wetterprognosen für alle Seegebiete. Der Sender steht in Offenbach und in Hamburg. Mein Radio ist nicht ganz so gut im Empfang, aber das Programm scheint die Störungen erstaunlich gut zu kompensieren.

14/09/99 Wir mussten feststellen, dass in der Ciftlik Bucht keinerlei Kummunikation möglich ist. Das Handy empfängt hier kein Signal. Auch reichen die lokalen Telefone, nur bis Marmaris, sagte man uns im Restaurant. So konnte ich auch die Webseiten nicht erneuern.

Wieder vergeht die Zeit zu schnell und die Arbeit geht schleppend voran. Bisher habe ich das Deck mit Epoxidharz bestrichen und feinen Sand aufgestreut. Es ist Sand vom Strand in Rhodos. Ich nenne somit das Deck Rhodos Beach. Es entstand eine sehr gute rutschfeste Fläche. Sie wird nun nochmals mit Epoxidlack bestrichen und dann mit weisser PU Farbe abgeschlossen. Es ist mühsam den alten Lack vom Deck zu schleifen. AMBERELLAs Vorbesitzer hat die ehemalige gerippte Fläche einfach übergestrichen. Auch der ehemalige Schmutz kommt unter dem Lack hervor. Der Lack löst sich leicht, bleibt aber in den Fugen hängen. Es bleibt nur das komplette Glattschleifen der ehemaligen Schraffur. Das kostet Zeit und viel Schleifpapier. Noch muss ich hinter dem Cockpit schleifen.

Wir liegen am Steg von Mehmets Restaurant und nutzen die Möglichkeit das Schiff gründlich zu waschen. Heute ging aber Ninas frisch gewaschener Salonteppich baden. Wir merkten es zu spät und konnten ihn nicht mehr finden.

08/09/99 AMBERELLA segelt früh am morgen nach Ciftlik Bucht, ca 10 meilen von hier. Wir planen nicht nach Marmaris zurückzukehren und Ciftlik wird eventuelöl auch unsere letzte Station in der Türkei.

Arzt in der Türkei? Wenn es nicht weh tut geh nicht hin! Gestern gingen Nina und Nastasja in die Stadt um eine Hepatitis A Imfung für Nastasja aufzufrischen. In der Türkei muss man das Serum in der Apotheke kaufen und dann zum spritzen den Arzt aufsuchen. Nina war in 10 verschiedenen Pharmazien und überrascht herauszufinden, dass niemand dort den Unterschied zwischen Hepatitis A und B kannte. Sie wollten einfach nur etwas verkaufen das sich ähnlich nannte. Sogar der Arzt kam dann mit der Meldung sie hätte eine Grippeimpfung gekauft. Doch als er nach mehrerem Verneinen Ninas endlich in sein Buch schaute musste er Nina recht geben, Sie hatte das richtige Serum (Havrix junior für Kleinkinder). Bis dahin hatten wir gute Erfahrungen mit Privatkliniken in Fethiye, doch Marmaris scheint da anders. Als vor 2 Wochen Nina den Zahnarzt aufsuchte um nur eine Überprüfung durchzuführen sagte der Zahnarzt, "Wenn es nicht wehtut, brauchen sie nicht zu kommen"

07/09/99 Wir sahen uns eine VideoCD auf meinem Apple PowerBook an. Dies ist unser einziges Mittel mal einen Film zu sehen. Marmaris hat zwar ein Kino, aber keine guten Filme. Wir sahen den "Pferdeflüsterer" von und mit Robert Redford. Nastasja will natürlich auch gleich ein Pferd und fragte schon ob sie eins an Bord bekommen darf. Nina meinte es wäre kein Platz dafür. Da überlegte sie lange und sagte nur kurz "doch".

06/09/99 Wahrscheinlich der letzte grosse Shoppingtag in Marmaris. Wir planen nach Ciftlik zu segeln um dort Wasser fürs vorbereiten des Decksanstrichs zu haben.

Heute holte ich eine neu Sturmfock ab. Sie sieht ganz gut aus, aber bewähren muss sie sich noch bei hartem Wetter. Es ist ein 380g Tuch für Winde bis 10 Bft. Bei mehr Wind habe ich sicher andere Sorgen als zu segeln.

05/09/99 Ich habe mal ein Experiment mit der Deckfarbe gemacht. Weil der alte rutschfeste Belag nichts mehr taugt benutze ich Epoxidharz, streiche es wie Honig aufs Deck und streue Sand mittels eines Siebes gleichmässig darüber. Die Testfläche ist gut gelungen. Dies ergibt einen festen wasserfest und rutschfesten Belag.

02/09/99 Wieder sind wir am Bezweifeln unsere Pläne. Ich sah mir die Preise für die Marina in Tunesien an in der wir überwintern wollen. Billig, wie wir von anderen Seglern hörten, ist es da auch nicht gerade. Doch der Gedanke an einen wieteren Winter in der Türkei widerstrebt uns sehr. Ausserdem hätten wir damit im Frühjahr auch nichts erreicht und die gleichen Probleme.

Wir bleiben vorerst noch ein paar Tage in Marmaris, denn ich habe das neue Sturmsegel bestellt. Ohne das Segel wären wir bei starkem Wind unfähig zu maneuvrieren. Es ist also ein Muss.

Nina hat die Navigationsecke lackiert die nun ganz gut zur Geltung kommt. Ausserdem verfasste Nina nach langem Schweigen wieder eine Ihrer Kolumnen auf unserer Website. Die versteht wohl nur eine Mitseglerin.

Heute hatte es nach mehreren Monaten Trockenzeit wieder geregnet. Es sind nur noch 28 Grad Tagestemperaturen und wir gewöhnen uns jetzt an die kühleren Nächte.

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