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Tagebuch
September 2000
30. September 2000 Amberella
ankert noch in Cala de Portals. Auch die 14 Tage Urlaub
mit meinen Eltern sind vorbei. Wir machten noch eine Ausflug mit
dem Mietwagen nach Port de Soller, fuhren mit der alten Strassenbahn
zum Hafen, nahmen die Serpentinenstrasse über die Berge,
mit Ausblick über die Insel und genossen die letzten warmen
Tage.

Nun bereiten wir uns auf die
Überfahrt nach Ibiza vor. Man merkt, dass der Winter
naht, denn eine Schlechtwetterphase wechselt die andere ab. Es
stürmt im 2 Tage Rhytmus und wir wollen hoffen, die 50 Meilen
nach Ibiza in gutem Segelwetter zu segeln.
12. September - 29. September
Menorca, Malorca Mahon
bot wieder alles im Überfluss. Supermärkte, Bars, Cafes.
Music, nur kein Internetcafe um meine Webseite aufzufrischen.
Zumindest fand ich keines. Wir verbrachten einige ruhige Tage
in der geschützten Bucht Teulera.
Meine Eltern Monika und Norbert
kamen am 18. September an Bord und wir wollten langsam nach Mallorca
segeln. Ein erster Versuch Mahon zu verlassen und die Südküste
zu erkunden schlug fehl. Starker Schwell aus Südost machte
ein Anlaufen der Buchten im Süden unmöglich. Auch war
Monika nicht seefest, sie war krank sobald wir ausliefen und so
kehrten wir nach 4 Stunden zurück nach Mahon. Am folgenden
Tag war jedoch das Wetter besser, der Schwell hatte sich gelegt
und wir liefen schon am Mittag in die Cala Covas, einer
kleinen felsigen Bucht ein. Das Wasser war kristallklar, aber
leider vom amgeschwemten Müll des Unwetters verstopft. Auch
hielten uns zahlreiche Quallen vom baden ab. Trotzdem erkundeten
wir die umliegenden Wohnhöhlen, die noch vor kurzem von Alternativen
bewohnt, von den Behörden jedoch verriegelt waren.

Cala Covas, Mahon Spain, Sep. 2000
Gleich am Morgen ging es 12 Meilen weiter westlich
in die Bucht Macarella, eine sehr schöne Badebucht
mit zwei Stränden. Nastasja wurde am Arm von einer Qualle
verbrannt und weinte für fast eine Stunde erbittert, traute
sich jedoch schon am Nachmittag wieder ins Wasser.Sie ist eben
schon ein richtiges grosses "Seemädchen".
Obwohl es schon Herbst ist, wunderte ich mich wieder,
dass immer noch so zahlreiche Charterschiffe unterwegs waren.Ich
möchte um keinen Preis in der Hochsaison hier sein, denn
dann wird die Bucht sicher mit Booten zugeparkt sein. Von verträumten
Buchten in den Balearen, wie der Prospekt es beschreibt kann überhaupt
keine Rede mehr sein. Dicht an dicht ankerten wir in der Bucht
und wurden in der Nacht, bei drehendem Wind erneut vom Schwell
durchgeschüttelt. Uns blieb nichts anderes übrig als
im Morgengrauen zu "fliehen" und nach Mallorca zu segeln.
Meine Mutter war sterbens-seekrank. Sie konnte sich überhaupt
nicht an die Bewegungen des Schiffes gewöhnen. Als wir den
Playa Mesquide in Mallorca anliefen rettete sie sich sofort
mit dem Dinghi an den Strand. Wir waren in Mallorca, Betonbunker-Hotel
säumten den Strand, wobei ich vom Playa Mesquide noch angenehm
überrascht war, denn die Hotel-und Ferienwohnungskette war
einigermassen der Landschaft angepasst worden.
Auch hier waren wir nicht vom Schwell geschützt.
Irgendwie verfolgte uns der Wind immer wieder und wir bekamen
ihn immer auf die Nase. Jetzt wo wir südliche Kurse segelten
und den üblichen Nordwestwind gewöhnt waren, gab es
plötzlich Südwestwinde die uns das Segeln schwer machten.
Oder es gab zu wenig Wind und der Schwell lag in unserer Ankerbucht.
Die teuren Marinas der Balearen lagen einfach nicht in unserem
Budget, desshalb suchten wir immer wieder Ankerplätze auf.
Am nächsten Morgen liefen wir kurz Rajana
an, um meine Eltern an Land zu bringen, die nun auf dem Landwege
weiterreisen wollten, während wir die Amberella weitersegelten.
Dann ging es weiter nach Porto Colom, endlich einem super
geschütztem Hafen, ähnlich dem in Mahon. Monika, Norbert
und Nastasja standen schon an der Pier um uns zu begrüssen.
Sie waren mit dem Mietwagen angereist.
Den Mietwagen nutzten wir sogleich um das berühmte
Kloster Santiago zu besuchen. Wir hatten in einem Reiseführer
vom Kloster mit seinem deftigen Mittagstisch und herbem Bier gelesen
und freuten uns auf Holzbänke und Mönche die uns begrüssen
würden. Weit gefehlt... wir waren enttäuscht als wir
in der Klostercafeteria normale Speisen und Büchsenbier serviert
bekamen. Allerdings war die Paella wirklich nicht so schlecht
und der abschliessenden Spaziergang hinunter zum Fusse des Klosterberges
war auch sehr amüsant. Wir sammelten Brotfrucht vom Weg auf
und pflückten überreife Mandeln von den Bäumen.
Von Porto Colom segelten wir weiter nach Porto
Petro, mit einem kuzen Stopp in Cala del Or, wo wir entgegen
unseres Hafenhandbuches nicht mehr ankern durften. Porto Petro
war wieder ein angenehmes Städtchen, wir konnten eine der
Mooringleinen nutzen, und es war unser letzter Stopp an der Ostküste
von Mallorca. Wieder stand Schwell in die Bucht und für meine
Eltern war die Amberella kein idealer Schlafort. Zu viel geschaukel:)
Also verabredeten wir uns in Palma und segelten
am nächsten Morgen allein weiter. Diesmal sollte uns ein
idealer Segeltag beschert werden. Nachdem wir das Cap de Salinas
passiert hatten war der Schwell plötzlich verschwunden und
wir segelten bei leichten Winden die Südküste Mallorcas,
zwischen Cabrera und der Hauptinsel. Amberella machte bis zu 5
Knoten, was bei Ihrem zahlreichen Unterwasserbewuchs schon schnell
ist. Wir hatten noch keinen festen Plan wo wir in Palma ankern
wollten, und da und keinerlei Informationen zur Verfügung
standen, wollten wir kein Risiko eingehen und querten einfach
die Bucht Palmas um südwestlich von Palma, in der schönen
Bucht Cala de Portals zu ankern. Der Anblick der Sandsteinfelsen
, das klare Wasser und die ruhige Bucht versöhnten uns wieder
mit Mallorca, von der wir als "Aussteiger" nicht so
überzeugt waren. Schliesslich waren wir nicht scharf darauf
an Hotel vermauerten Stränden zu ankern. Cala de Portals
hingegen war noch überraschend "naturbelassen".
Die Bucht ist bekannt durch seine Höhlen, in den die Fischer
und deren Familien schon seit Urzeiten ihre Fänge lagerten
ehe sie zum Markt aufbrachen. Jetzt sind diese Höhlen wegen
Einsturzgefahr teilweise gesperrt.
3. September - 11. September
2000 Wir verliessen Ustica, Italien am frühen
Morgen und nahmen Kurs Sardinien. 175 Meilen, Wellen und
Wind waren zwar nicht nach unserem Geschmack, doch in der ungeschützten
Bucht von Ustiva schaukelten wir genausogut. Anfangs machten wir
ganz gut Fahrt Richtung Westen, als der Wind drehte konnten wir
sogar ideal Richtung Sardinien steuern. Kontinuiertlich nahm jedoch
die Windstärke zu und erreichte am Abend Sturmstärke.
Der Schwell nahm zu und der Wind drehte abermals, diesmal auf
Nordwest, unsere" Nase" und wir machten wenig Meilen
in Richtung unseres Ziels, dem Südosten von Sardinien. In
der Nacht wendeten wir dann, denn auf dem anderen Bug segelte
es sich besser gegen die immer höher werdenden Wellen.
Wir waren ständig in Funkkontakt mit "Moby
Dyck" und "Nomad". Moby Dyck, ein Motorsegler motorte
gegenan und war schon weit vorraus. Der Frust war gross als wir
am nächsten Morgen, immer noch bei starkem Nordwestwind unsere
geloggten Meilen ansahen. Wir hatten gerade mal 10 Meilen gutgemacht.
Nina spekulierte schon vom Umkehren nach Sizilien, doch der Wetterbericht
gab für dieses Gebiet auch keine bessere Vorhersage und was
sollten wir so weit im Südwesten denn auch anfangen. Ich
spekulierte auf den Wind der wie vorhergesagt auf Nord, später
sogar Nordost drehte und endlich machten wir unter gerefften Segeln
volle Fahrt mit bis zu 7.5 Knoten nach Sardinien. Auch der Schwell
beruhigte sich etwas, zwar waren es immer noch 2-3 Meter Wellen,
aber immerhin kam kein Wasser über ins Cockpit.
Als wir ankamen sendete ich gleich am morgen die
Nachicht von der Überfahrt an unsere Freude und Bekannten.

meine 3 Deckhands Nastasja, Selina,
Nina 2000, Sardinien
"Amberella erreichte gestern nacht Porto
Guinco, Sardinien.
Drei Tage auf See und es hat an nichts gefehlt. von Flaute und
Spiegelglatter See, Gewitter, Blitz und Sturm (bft 7) mit 4 Meter
hohen Wellen, die ganze Scala der Wettermöglichkeiten. in
der zweiten Nacht peitschten wir gegen riesige Wellen und machten
gerade mal 10 Meilen in 10 Stunden, doch auch Glück muss
man haben, als die Gewitterfront durchzog drehte der Wind endlich
und wir konnten ideal unser Ziel ansteuern, den Wind an der Seite
"flogen" wir mit 7 Knoten gen Sardinien. 213 Seemeilen
geloggt. Die Ansteuerung der Bucht Porto Guinco bei nacht war
noch mal spannend, übermüdet und nervös tasteten
wir uns an Felsen und Untiefen vorbei. Geschafft!
Gönnen wir uns nun einen Tag Verschnaufspause, gehen am schönen
Strand von Porto Guinco baden und müssen das Chaos an Bord
aufräumen:). Ich wünsche mir eine Süsswasserquelle
um die Salzkruste von Amberella wegwaschen zu können
Ehe wir weiter nach Menorca, Spanien, aufbrechen, statten wir
Sardinien einen Besuch ab..
position: 39° 07' 4'' N 09° 31' 9'' E South Sardinia,
Italy"
Am folgenden Tag zog wieder eine Schlechtwetterfront
durch und brachte viel Wind und Schwell in die Bucht von Villasimus
(PORTO GUINCO). Michels Boot "Nomad" zog den Anker quer
durch die Bucht und ich musste ihm helfen neu zu verholen. Die
Nacht war besonders unangenehm, wir lagen quer in der Welle und
die Sachen flogen im Boot nur hin und her. Doch bei so viel Wind
traute ich mich nicht den Platz zu verlassen, bot doch die Südküste
Sardiniens noch weniger Schutz.
Am 2. Tag reichte es dann aber und wir segelten
die Passage zwischen Islola Cavoli und dem Festland weiter
westwärts nach Capo Pula. Hier war es etwas ruhiger,
doch schon sehr früh brachten wir auf um 40 Meilen weiter
nach Calesetta zu segeln. Hier konnten wir an der Stadtmole
festmachen, die Fischer waren sehr freundlich und wir rüsteten
uns mit Proviant, Wasser und Diesel für die Überfahrt
nach Menorca, Balearen.
Auch ging Ninas Mutter, Renata nach 7 Wochen Crewmitgliedschaft
von Bord und reiste Überland zurück in die Schweiz.Sie
hatte in Griechenland zum ersten Mal ein Segelschiff betreten
und segelte über 800 Meilen mit uns, entwickelte sich zur
perfekten "Bordschwiegermutter":)
Der Törn nach Menorca war unser letzter
grosser Schlag, ehe wir wieder im Tagerythmus weitersegeln würden.
Die Sardinische See, berüchtigt für ihre Mistralstürme
verdiente unseren vollen Respekt. Noch waren die Wetterbedingungen
gut, aber laut Wetterkarte zog schon wieder ein Tiefdruckgebiet
in Richtung Golf von Lion, ein sicheres Zeichen für starke
Winde aus Nordwest. Wir hatten etwa 48 Stunden Zeit diese See
zu überqueren.
Es sollte unserer einfachster Törn werden,
mit leichten Winden aus südwestlicher Richtung. In der spiegelglatten
See machten wir nur langsam Fahrt, halfen immer wieder mal mit
dem Motor nach, um keine Zeit zu verlieren. Doch der erwartete
Sturm trat nicht ein. Stattdessen genossen wir den Besuch von
zahlreichen Delphinen und beobachteten zu dutzenden an der Oberfläche
schlafende Meeresschildkröten, die nur selten bei unsere
Annäherung abtauchten.
Mein email Rapport schrieb: "Amberella machte
seine Passage nach Spanien, und überquerte das Sardinische
Meer nach Menorca, die nördlichste Balearen Insel.
Wir ankern in Mehon, in der Cala Teulera Bucht
position N 39° 52. 6 E 04° 18. 5
Diese Passage war die von uns am meisten gefürchtete, denn
ab September treten hier die starken Mistralstürme auf. Einen
Vorgeschmack dieses Nordweststurms hatten wir bereits bei unserer
Überfahrt des Tyrrenischen Meeres erfahren.
Diesmal hatten wir mehr Glück und loggten 221 Meilen bei
leichten bis sehr leichten Winden. Für Fast die Hälfte
der Strecke musste unser Motor helfen.
Noch nie habe ich an einem einzigen Segeltag so viele Delphine
und Meeres-schildkröten gesehen. Zu dutzenden schliefen die
Schildkröten am Tage an der Meeresoberfläche und tauchten
nur selten ab, wenn wir uns ihnen näherten.
Mahon ist meine erste spanische Stadt. In wenigen Minuten werden
wir die Stadt erkunden, die überraschend britischen Einfluss
aufzeigt.
Für die nächsten 14 Tage haben wir keine Eile, erwarten
meine Eltern zum Urlaub und werden die anderen Baleraen Inseln
Mallorca, Ibiza and Formentera besuchen.
Frank für die Crew von Amberella"
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