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Tagebuch August 1999

28/8/99 Heute passierte wieder mal etwas Lustiges. Ich stellte heute fest das Polyesterharz, dass ich vor wenigen Tagen zum Laminieren gekauft hatte bereits fest geworden war. Als ich es zurückbrachte gestand mir der Verkaüfer, dass sein Angestellter den Härter bereits in das Harz gemischt hatte als ich es kaufte. So musste er mir die 5 Kilogramm ersetzen.

27/8/99 Nochmals drei Stunden auf dem Mast brachten heute den Erfolg. Das fingerdicke Antennenkabel ist oben und die neue VHF Antenne auch verschraubt. Tom, von der SY Thulin half mir heute. Zuerst haben wir eine Schnur mittels der Fall innen durch den Mast geführt. Dann wurde das Kabel von oben eingeführt und mittels der Schnur nach unten durchgezogen. Das war kompliziert denn es hakte an mehreren Stellen, klappte aber Dank Tom seiner Geduld. Schliesslich verlegten wir die Bohrmaschine, warfen den Generator an und ich bohrte die neuen Verschraubungen für die Antenne, frei hängend am Mast. Das war schon fast filmreif.

Nina und Nastasja sind aufs Wochenende nach Fethiye um Freunde zu besuchen. Zum Glück denn:

Heute nacht bin ich wieder um eine Erfahrung reicher. Nachdem unser Anker zwei Wochen bei wechselnden Winden sehr gut hielt ist es heute wieder passiert. Der Wind drehte um 180 Grad in Böen und unser CQR Anker riess los. Zum Glück rief mich gleich ein Nachbarsegler, da ich an Bord der Thulin in der Nähe war.

Mit Hilfe zweier türkischer Helfer wurde AMBERELLA wieder einfangen und wir fuhren ein neues Ankermanöver. Den CQR Anker schmeiss ich jetzt in die Backskiste und wechsle auf einen Danfoss.

26/8/99 Nach dem Erlebniserfolg mit dem Navigationstisch habe ich mich auch gleich an die Leisten für die Küchenarbeitsplatte gewagt. Siehe da es geht. Manchmal wundere ich mich selbst wie einfach manche Dinge sind, wenn man lange genug daran zögert.

Des weiteren nahm ich noch ein Mammutprojekt in Angriff. Ich wollte das Antennenkabel-Kabel fürs VHF radio auf den Mast verlegen. Nach 2 Stunden Akrobatik in 14 Meter Höhe musste ich mit Nina aufgeben, weil das alte kabel das zum Durchführen des neuen kabels diente riss. Auch der Versuch das kabel mittels einer fall durch den Mast zu ziehen scheiterte.

25/8/99 Weil es an Deck momentan schleppend voeran geht habe ich mich intensiver der Navigationsecke gewidmet. Und siehe da es entstahnd ein schönes Stück Schreinerarbeit. Also wenn ich meine geringen Fähigkeiten ansehe, bin ich doch stolz auf das Ergebnis. Hier eine Bildfolge des Enstehens.

23/8/99 Wieder vergeht die Zeit wie im Fluge. Weitere Probleme tauchen auf. Die Rettungsinsel ist zu alt, wie ich schon ahnte und taugt nur noch als Swimmingpool für Nastsajsa. Ein neues Sturmsegel muss her, doch die geschätzten 650 DM mag ich momentan nicht ausgeben. Ich weiss nicht recht was ich machen soll.

In Marmaris scheint es auch ein Problem zu sein, billige Fraben zu bekommen. 2 Komponenten PU Farbe scheint hier Mangelware. Nur in 3 Geschäften fand ich welche, aber in zweien war sie 3 mal teurer als in Fethiye und in dem anderen war die Dosen bereits 3 Jahre alt.

20/8/99 Sonst wenig Neues aus der AMBERELLA Saga. Unsere Probleme häufen sich, besonders die Finanziellen. Heute gab ich unsere Rettungsinsel zum Test. Aber bei ihrem Alter von über 20 Jahren wird sie wohl in 1000 Stücke zerfliegen wenn sie richtig unter Druck aufgeblasen wird, was notwendig ist um zu prüfen ob sie weiterhin zugelassen werden kann. Ich habe sie zwar 2 Tage selber mal getestet, kenne aber die Kriterien nicht, die eine Rettungsinsel erfüllen muss. Bei mir hielt sie 24 Stunden lang die Luft und musste dann wieder etwas aufgeblasen werden. Der Tester gab mir wenig Hoffnung. Eine neue Rettungsinsel kostet 4000 Mark. Woher nehmen wenn nicht stehlen?
So eine Rettungsinsel ist schon ein komisches Teil. Schon beim blossen Probeliegen darin wurde mir richtig schlecht. Wer soll in so etwas überleben? Ich denke in der Not nimmt man das in Kauf.

Ansonsten baue ich gerade an der Navecke, um mal das Loch steuerbordseitig zu füllen, dass bisher im Design unserer AMBERELLA klaffte. Bilder folgen, nach Erfolg:)

Heute haben wir nach 3 Monaten wieder ein paar Tropfen Regen erlebt. Es wurde richtig feucht auf dem Deck, aber wir brauchten uns nicht mal mühen die Luken zu schliessen. Dafür ist es jetzt sehr schwül und wir wünschen uns eher wieder warme Sonnentage oder einen Platzregen. Letzterer ist aber wegen des noch nicht ganz fertig gestellten Decks weniger gewünscht.

Nina ist gerade dabei schweizer Rösti zu machen. Wir haben uns endlich zu einer Teflonpfanne entschieden und müssen die sofort ausprobieren. Nina will natürlich gleich etwas Neues daran probieren, doch ich bin entschieden gegen solche Experimente. Jedesmal wenn Nina etwas NEUES "probiert" müssen Nastasja und ich es danach essen.
Ohnehin sind die Kochkünste einer Schwangeren sehr beschränkt. Ich verneine momentan jegliche Salate oder Rohkost, die von Nina dressiert werden, weil sich mir dann diverse Backen und Knochen zusammen ziehen. Balsamiko-essig pur!! Neulich sah ich Ihr dabei zu wie sie diverse Gemüse wie Kartoffeln und Auberginen in den Ofen zum Backen gab, okay dachte ich, aber die wurden dann sehr sehr schwarz, doch obendrein wollte sie Fischstäbchen mit Würstchen verbinden, diese mit Gurken servieren. Igittigitt.

18/8/99 Vom Erdbeben in der Türkei, nähe Istanbul haben wir auch erst in den Medien erfahren. Eigentlich durch die Deutsche Welle, da wir ja kaum türkische Nachichten oder TV sehen/hören. Ein Seebeben wars ja nicht, obwohl uns gerade gestern eine unerwartete Welle seitlich traf, wie wir so vor Anker lagen. Es hat dermassen geschaukelt und gescheppert, dass auf der einen Seite die Lebensmittel in den Salon flogen und aus der anderen Seite die Bücher aus dem Regal katapultiert worden. Nastasja hat geschrien wie am Spiess. Das lag natürlich nur an den Fährbooten die hier in der Nähe mit Vollgas einlaufen. Also hier das Statement für diverese Anfragen aus Familie und Freundschaft, Wir sind wohlauf!

Es ist trotzdem sehr schrecklich zu wissen das so etwas, wie ein verherrendes Erdbeben, in unmittelbarer Nähe passiert. Die türkischen Behörden zeigen sich mal wieder von ihrer besten Seite. Sie verniedlichen die Schäden um die Bevölkerung zu beruhigen. Auf der Strasse, (zumindest hier in Marmaris) wird gemunkelt das es noch viel mehr Opfer als angenommen gibt, und bisher nur eine Art Vorzeigeort im TV gezeigt wird. Es werden Zahlen von bis zu 30.000 Toten gehandelt.
Ich kenne bereits zwei Personen in Marmaris, dessen Verwandte in diesem Gebiet leben und noch vermisst sind. Heute erzählte mir ein Segelmacher, dass sein Kollege vor Ort gerade anrief. Er erzählte von einem Vorort, der ca 5000 Mehrfamilienblocks beherbergte und nun überhaupt nicht mehr existiert. Komplett versunken, bzw zusammengefallen. Von dem Gebiet sagt er wurde bisher gar nicht im Fernsehen berichtet. Es wundert auch warum die stolze Türkei, die sonst immer Hilfe ablehnte, nun verstärkt Hilfe aus dem Ausland anfragt. Das schürt mehr Spekulationen über das tatsächliche Aussmass. Aber wie gesagt, dies ist nur das Wort der Strasse, und schliesslich sind wir noch mehrere Hundert Kilometer vom Erdbebengebiet entfernt, wissen also auch nicht mehr als jeder andere.
Auch wird heftig über den Zustand der Häuser und dessen Bauqualität gemunkelt. Die Behörden ermitteln gegen Pfuschbau. Komisch, wahrscheinlich die gleichen Behörden die gegen ein kleines Trinkgeld, vorher ein paar Augen zukniffen, als sie den Bau genehmigten. Jedenfalls sind die Bauten nicht erdbebensicher. Andererseits steht bei einer Scala von 7.8 wohl nirgendwo ein Stein auf dem anderen. Also was soll das Spekulieren. Hier profilieren sich wieder einmal die Politiker. An die Opfer wird später gedacht, oder deren gedacht.

16/8/99 Gestern hatten wir Besuch von Yardan, Gonca und Siwa aus Fethiye. Nastasja war riesig froh ihre Spielgefährtin Siwa wiederzusehen und sie haben sich auch mehrere Stunden um kein Spielzeug gestritten. Siwa durfte dann sogar in Nastasjas Bett schlafen, eine grosse Ehre.
Wir fuhren zu einer Insel, genannt Cleopatra Insel. Es heisst in der Sage Cleopatra hat den Sand aus Agypten dorthin gebracht und wirklich, nirgens kann man solchen Sand in der Türkei finden. Er ist aber durch kohlesäurehaltigen Schlamm der tief unter der Erde langsam unter städige Bewegung aufsteigt entstanden. Der Sand ist teilweise so kohlensäurehaltig und explodiert wenn man ihn auf eine Zigarette tröpfelt. Also Lagerfeuer unmöglich:) ohnehin wird die Insel stark bewacht, man darf den Sand nicht mitnehmen, kein Handtuch ablegen und muss die Füsse abwaschen wenn man geht. Um 18.00 müssen alle die Insel verlassen.
Unsere Begleiter sind mit dem Manager der Insel befreundet, so konnten wir am Abend als alle Touristen weg waren, den Strand ganz für uns allein haben. Toll.


13/8/99 Freitag der 13. war ein gemischter Tag. Wieder mal erkundete ich die Werkstätten der Türken. Die fehlende Sachkenntnis ist schon fast schmerzhaft. In einem Farbenladen fragte ich nach Zwei-Komponenten PU Farbe, bekam einen total überteurten Preis, und als der Angestellte mir diverse Büchsen Lacke zeigte schüttelte ich nur mit dem Kopf und erklärte ihm was wir suchen. Er hats immer noch nicht begriffen und ich verliess den Laden.

In einer Werkstatt liess ich unseren Bügel schweissen, der das Sonnedach hält. Der Typ wollte doch sage und schreibe 20 Millionen Lira für seine Arbeit. Ich erklärte ihm. dass er für fast 100 Mark noch ne Weile für mich arbeiten müsste. Er meinte dann 10 Millionen wären okay, aber ich sagte ihm mit 5 Millionen (momentan 23 Mark) hat er immer noch ein Geschäft gemacht und gab ihm den Schein.

Als gute Erfahrung für heute wurden meine beiden Bosch Schleifmaschinen repariert. innert 15 Minuten fand der Typ das Problem und wechselte diverse Teile. Beise Reparturen kostet gesamt 25 Mark. Ja, 6 Monate Erfahrung in der Türkei zahlen sich jetzt aus.

11/8/99 Die letzte Sonnefinsternis dieses Milliniums war auch in der Türkei ein Ereignis. Der Mond bedeckte um 14.20 Uhr Ortszeit die Sonne zu 85%. Die Verdunklung ist fast nicht aufgefallen, es wurde nur merklich kühler. Durch Schweissergläser sahen wir jedoch was sich am Himmel tat. Wir, Tom und ich, begassen das Ereignis mit Bier. da der angekündigte Weltuntergang, vielleicht eine Sintflut nicht eintraf, mussten wir nicht auf unsere Schiffe flüchten. Nun geht das Leben eben weiter seinen Gang und die Arbeit nimmt einem keiner ab.

10/8/99 Die 12 Meilen bis Marmaris waren erneut ein herrliches Segelerlebnis. Am Mittag starteten wir zwar bei totaler Flaute aus Ciftlik Bucht und hatten schon nach 1 Stunde motoren die alten Probleme mit unserem Diesel. (Er bekommt Luft in den Treibstoff und geht dann irgendwann aus. Noch immer konnte ich das Leck nicht ausfindig machen.) Doch dann blies ein Hauch von einer Brise in unsere grosse Genua Nr 1. Wir machten anfangs zwar nur 3-4 Knoten, aber Nina als sehr gute Steuerfrau bekannt, schaffte es bei diesem lauen Wind die Genua straff im Wind zu halten undwir setzten später auch das Grossegel und flogen in "Schmetterling-manier" in die Bucht von Marmaris ein. Ich hätte gern ein Foto von AMBERELLA unter Segeln.

8/8/99 Zurück in Asien Wir brachen auf aus Rhodos und segelten nördlich in die Türkei. es war herrliches Segelwetter, nichts ging schief, keine Defekte einfach phantastisch. In Ciftlik, einer kleinen touristisch erschlossenen Bucht gingen wir an einem kleinen Steg vor Anker. Tom, und seine Freunde, auf der Yacht Thulin, segelten auch hierher.

Die Unterschiede zwischen den Griechen und Türken sind schon markant. Obwohl die Griechen moderner und gebildeter wirken, fällt in der Türkei die freundliche und herzliche Atmosphäre sofort auf.

5/8/99 Wir haben neue Pläne und hoffen diese zu verwirklichen. Als ganz grosse Neuigkeit kann ich nun das Erwarten eines neuen Crewmitglieds ankündigen. Wir bekommen ein zweites Baby im Dezember. Lange haben wir überlegt wo wir das Baby haben werden. Die Türkei schien uns, nbachdem wir uns hier schon so lange aufgehalten hatten eine Lösung, doch schliesslich wollen wir mit unserem Projekt weiterkommen. Also steht nun Tunesien als Winterlager auf dem Plan. Um das zu erreichen bedarf es natürlich noch einiger Vorbereitungen. Wir wollen in der Türkei nochmals einige Wochen an AMBERELLA bauen, um dann im September/ Oktober die 850 sm nach Tunesien zu segeln.

3/8/99 Mit 2 Tagen Verspätung haben wir den schweizer Nationalfeiertag nachgeholt. Tom, von der SY Thulin, ebenfalls ein Schweizer wie Nina wurden von einer Eigenkreation Schikoladenkuchen (Schoggikueche) beglückt. Es gab rotweisse Kerzen und Servietten mit schweizerischem Kreuz.

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