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Juli August Tagebuch

Trotz unserer nunmehr nur monatlichen Updates unseres Tagebuches haben wir immer mehr Besucher auf unserer Homepage. Im Juli waren es 3090 Visits (Besucher) und mehr als das fünffache an Seitenaufrufen. Das ist recht beachtlich für eine nicht kommerzielle Hobby Seite.
An dieser Stelle ein Dankeschön an alle Leser. Wir bemühen uns weiterhin auch jedes Email zu beantworten und hoffen auf weitere Besuche in der Zukunft.

 

Selina (19 Monate alt) telefoniert..


Sandsturm Sahara:
Wir hatten einen waschechten Sandsturm in Roquetas. Der Wind blies anfangs August föhn heiss aus Afrika herüber und bedeckte Amberella mit saharagelbem Sand. Die Tagestemperaturen stiegen bis auf 47°C. In dieser Zeit kann man einfach nur noch in der Koje liegen und sich etwas Wind zufecheln. Die spanische Siesta ist auf der Amberella schon lange eingeführt. Nastasja und Selina gehen nun genauso spät ins Bett wie die spanischen Kinder, nämlich 10 bis 11 Uhr nachts.

Amberella kann wieder segeln:
Uns hat das Meer zurück, wenn auch nur tageweise. Wir haben uns nun fest vorgenommen, dass wenn wir schon in Roquetas festsitzen, wenigsten 1 mal pro Woche segeln zu gehen. Wozu haben wir schliesslich so viel Arbeit in das Boot gesteckt um dann damit im Hafen herumzusitzen.
Amberella, Crew und Gäste waren vergangenen Sonntag zum zweiten Mal im August auf See. Wie man so schön zu sagen pflegt: Sonntagssegeln. Keinen Wellengang, eine leicht Brise aus Westen mit der Stärke 4. Danach, am Strand von Roquetas de Mar, vor Anker eine erfrischende Abkühlung im türkis gefärbten Meer. Wie anders doch das Leben gleich aussehen kann. (mit der Perspektive vom Boot aus an die Küste). Distanziert vom Lärm und bunten Treiben der Badegäste.
Heute ist wieder Sonntag und die Segel werden wahrscheinlich bald gesetzt, um Amberella leicht durch die Wellen zu wiegen.

Erneuter Besuch aus der Schweiz:

Nina's Mutter hat uns vergangenen Montag, nach 4 Wochen Urlaub auf Amberella, wieder verlassen um zurück in die Schweiz zu reisen. Sie ist von Andalusien begeistert und machte Tagereisen nach Granada, der Sierra Nevada und nach Cordoba. Gleich nach ihrer Abreise nach Zürich schrieb sie uns, dass wir doch noch einmal überlegen sollten ob wir wirklich in die Schweiz zurück gehen wollen. “Andalusien ist so schön... “ Ansonsten vergehen die Tage und Wochen auch bei uns in einem Alltagsrythmus.
Nina und Renata in Fenix, Alpujarras


Arbeitswechsel:

Für etwa 6 Wochen arbeitete Nina im Juli-August in einer typisch belgischen Snackbar für gerade mal 45 DM pro Tag. Die Arbeit machte ihr Spass, aber die Atmosphäre und der geringe Verdienst waren echt frustrierend. Diese Löhne sind hier normal und wir fragten uns wie die Leute hier ihre Wohnungen, Autos, Handy’s und Vergnügungen bezahlen. Für uns reichte es gerade mal zum Essen.

Nun arbeite Ninat morgens zwei Stunden auf einem Touristen-Exkursionsboot. Meine Aufgabe ist es während der Fahrt die Gäste zu betreuen. Das Boot fährt ein paar Meilen Richtung Almeria der Küste entlang, wo wir an einem abgeschiedenen Ort Anker werfen damit sich die Feriengäste im Mittelmeer ein Bad genehmigen können. Nach dieser Erfrischung geht’s dann wieder zurück in den “Heimathafen” Roquetas de Mar.
Am Nachmittag wechseln Frank und ich die Rollen. Ich übernehme Haushalt und Kinder während Frank arbeitet. Er widmet sich nun wieder dem Webdesign und arbeitet an zwei Projekten, die unser Budget ein wenig Aufbessern, bzw. unseren Aufenthalt in Roquetas bezahlen.
Nina im Salon der Amberella 2001


Das Fischen im Juni hat Frank schon recht früh wieder aufgeben. Er hatte einfach kein Glück und verdiente praktisch kein Geld.. . Während seiner Woche mit den Fischern, gleich nachdem er das Fischerleben aufgab, hörten wir jedoch wieder von den grossen Fängen der Fischer, wie z.B. 80 kg Tunfische und kistenweise Säbelfisch (Sable). Tja, wir haben scheinen da kein Glück zu haben.

Amberella Umbau:
Natürlich versuchen wir täglich weiterhin kleine Feinheiten auf der Amberella zu verrichten. Meine Schleif-und Streichfähigkeiten sind immer noch gefragt und nehmen kein Ende. Die erbarmungslose Sonne brennt ständig auf den Lack und z.B. Die Teakreeling ist nun nach 3 Monaten wiederum fällig um gestrichen zu werden.

Frank flickt fast täglich fluchend auf der Strasse die Kinder-Fahrräder. Nastasjas neu entdeckte Leidenschaft ist Fahrradfahren. Doch die alten Drahtesel taugen nicht mehr viel.
So gehen wir immer mehr in das zivilisierte Leben über. Praktisch leben wir zwar an Bord, führen aber ein normales Arbeitsleben. Vor kurzem haben wir zum Beispiel Nastasja beim Fernsehen (ja ja wir haben jetzt sogar einen 12 V Fernsehen, der uns das spanisch Lernen erleichtert) wie folgt erlebt: Im Programm stand neulich aber zur gewünschten Zeit kein Kinderfilm. Darauf meinte Nastasja: “ Das macht nichts, dann guck ich eben ein bisschen Werbung!”
Nastasja, Selina und Frank



Letzte Woche machten wir Bekanntschaft mit dem Segelboot Aelis, mit Crew Michelle und Patrick aus Frankreich. Sieben Jahre waren sie unterwegs und konnten allerhand berichten. Sie verbrachten sehr viel Zeit in den Kapverden und der Westküste Afrikas. Patrick schilderte sehr bildreich sein Erlebnis eines verspäteten Hurrikans in San Marteens in der Karibik bei der 150 Segler ihre Schiffe, bei Windgeschwindigkeiten von über 250km pro Stunde, verloren hatten. Er und Michele waren unter den wenigen Glücklichen die ihr Schiff nur mit kleinem Schaden ,nach 3 Tagen Hurrikan, aus der Lagune segelten.
Patrick und Michele, SY AELIS


Trotz dieser Schilderungen ist unser Fernweh nun wieder entfacht und das Wettfiebern geht von neuem los. Die Karibik ruft...
Wenn Segler Seglern helfen:

Ich habe Patrick mein zweites Sony SW / SSB Radio geschenkt, nachdem er mir erzählte das er etwas in der Art suche. Ich benutzte es fast nie, denn ich hatte es kaputt von einem anderen Segler geschenkt bekommen und nach der Reparatur lag es trotzdem nutzlos bei mir herum. Gemeinsam mit Patrick haben wir am Nachmittag nochmals die Lötstellen repariert und nun funktioniert es ohne Fehler.
Mein Erstaunen war gross als mir Patrick, SY Aelis, am Tag darauf einen 2 PS Yamaha Aussenbordmotor schenkte. Genau was ich brauche, denn mein selbst gebautes Dinghi ist ja nun fertig und wartet auf den Motor. Patrick hat diesen Motor seit 2 Jahren spazieren gefahren und nie benutzt, denn er war ihm von einem superreichen Segler geschenkt worden, nachdem dieser ins Wasser gefallen und nicht mehr startete. Patrick als Motorradmechaniker hatte jedoch keine Mühe den Motor wieder flott zu bekommen. Der Motor ist praktisch nur wenige Stunden gelaufen.
So wechselten also zwei Gegenstände ihre Besitzer und dienen nun mit Sicherheit ihrer Bestimmung.
Ebenso wie ich ganz plötzlich Besitzer eines Aussenborders bin, schenkte mir im Juli ein englischer Segler ein altes Grosssegel. Seine Masse passen (fast) perfekt zur Amberella und ich wollte es eigentlich kaufen. Doch beim ersten probieren sagte ich dem Besitzer dass ich für das alte Segel kein Geld ausgeben kann und will, denn es ist einfach nicht mehr viel Wert. Es ein ebenso alter Lumpen wie unser bisheriges Grosssegel und auch recht bauchig ausgeblasen, muss aber für die nächste Zeit nicht repariert werden. Sein Material ist auch etwas stabiler. Es wird also eine Saison aushalten können, doch Geld hatte ich dafür keines bereit. Das begriff der Engländer und schenkte es uns einfach.
Manchmal ist der Mangel an Entscheidung ein Segen. Denn viele Probleme lösen sich oft von selbst wenn man nur warten kann. Unsere Seglerfreunde von der SY Moby Dyck z.B. kauften letzte Woche von einem anderen Schiff ganze 600 ! Seekarten für nur 100 DM. Es sind mehr als 50% Original Karten und auch die Kopien sind hervorragendem Zustand.
Stück für Stück kommen wir nun einem fertigen Schiff immer näher und das Fernweh zerrt an uns. Auch Nina möchte nicht länger in Roquetas leben.
Auf der anderen Seite wollen wir uns zu einer Entscheidung drängen wo wir für die nächsten Jahre leben wollen. Spanien ist ein Favorit in der Wahl des Landes. Wir sind nun etwas müde ständig in dieser Geldknappheit und dem dadurch resultierenden engeren Horizont zu leben. Einfacher wäre es zur Zeit das Boot in Roquetas liegen zu lassen und uns einen schönen Ort suchen um eine längere Zeit richtig zu arbeiten, um eine weitere Zukunft mit der Amberela planen zu können.
Nastasja und Selina sollen nach Nina’s und meiner Ansicht wie normale Kinder aufwachsen und ich möchte sie wieder in den Kindergarten schicken. Sie sollten mehr Kontakte zu anderen Kindern haben.

Nachtrag: Wir bekommen immer wieder Anfragen bezüglich unserer Katze Skipper. Was ist aus ihr geworden?
Unser Skipper war seekrank wie wohl keine Katze. Sie hat gekotzt was das Zeug hielt und meistens auch noch recht eklig dünn geschissen. Das Katzenkörbchen hat sie komplett vergessen und es war immer eine Schweinerei. Ich persönlich bin froh dass Skipper freiwillig letztes Jahr in Griechenland auf der schönen Insel San Thurin (Thira) verblieben ist. Am Nachmittag bei Landgang schoss Skipper davon und ward nie mehr gesehen... Anfangs ging sie freiwillig ins Wasser um dem Dinghi nachzuschwimmen, aber nach 2 Stürmen hat sie das Seglerleben wirklich für immer aufgegeben und lebt nun vom Fischfang in Griechenland.

Tiere an Bord sind nicht mein Ding, ehrlich..Klar, Nina und Nastasja wollten etwas zum schmusen, aber so einfach ist das eben nicht. Ich persönlich empfinde das Tiere, auch Kleintiere, nicht an Bord gehören. Wir haben nach Skippers Abgang noch ca 2 Monate gegen die Flöhe angekämpft die Skipper hinterlies. Alle Teppiche und teilweise auch Polster flogen raus.

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