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Tagebuch August 2000

27. August 2000 - 31. August 2000 Nach zwei Tagen in Filicudi segelten wir nach Aliucudi, einer komplett autofreien Insel. Es war schwer einen Ankerplatz im Osten der Insel zu finden, da es nur ein ganz kleines Felsmassiv gibt wo man in normaler Tiefe ankern konnte. Doch der Besuch der Insel war sehr angenehm. Die Leute, meist Ferienhausbesitzer, waren alle sehr freundlich und überhaupt lud die Atmosphäre der Insel zum länger Verweilen ein. Doch wir brachen am nächsten Nachmittag nach Ustica auf. Anfangs hatten wir wieder unsere Bedenken wegen dem schlechten Wetter, doch dann wurden wir mit einem traumhaft schönen Segeltörn beschenkt. Leichte Winde aus achterlichen Richtungen, bei spiegelglatter See. So etwas passiert uns nur einmal alle 2 Jahre. In der Nacht schwebte AMBERELLA gemütlich über die See und am nächsten Morgen kamen wir alle sehr ausgeruht in Ustica an, dem letzten Stopp vor der Überfahrt nach Sardinien. Zunächst ankerten wir im Nordosten der Insel, doch dann war uns der Schwell zu ungemütlich und wir gingen längsseits an einer noch im Bau befindlichen Mole, vor dem Hafen von Ustica.

unter Segel und Blick auf Michels "Nomad"

Unser ursprünglicher Plan zurück in den Westen Sizilien zu segeln um von dort nach Sardinien aufzubrechen liessen wir ganz fallen, und warteten stattdessen in Ustica auf das passende Wetter für den Törn.

"Nomad" wird überholt

Hier schloss sich dann auch die deutsche Yacht "Moby Dyck" an mit Monika und Reinwald. Jetzt waren wir 3 Schiffe im Konvoi. Da war immer noch Michel mit seiner Stahlyacht "Nomad", den wir seit San Thurin (Insel Thira) in Griechenland kennen und der in Mallorca seine Umsegelung des Globus erreicht haben wird. 12 Jahre ist er schon unterwegs.

In Ustica wurden wir am 2. Tag von unserem Platz weggeschickt, weil ein Kriegsschiff hier landen wollte. Wir waren verärgert, denn die Italiener gaben uns eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang Bescheid, obwohl sie sicher schon den ganzen Tag wussten dass wir gehen mussten. So gingen wir nun schon im Dunkeln wieder in der nördlich gelegenden Bucht vor Anker. Hier rollten wir aber die ganze Nacht in der See und konnten kaum ein Auge zumachen. Da entschlossen wir uns nach Sardinien, 175 Meilen nordwest loszusegln. doch sollten wir wieder mal in eine Schwerwettersituation geraten (siehe September 2000)

25. August 2000 Wir segeln zu den Eolischen Inseln (auch Liparische Inseln genannt). Zuerst ankerten wir im Süden der Insel Vulcano und statteten am nächsten Tag den Schwefelbädern im Norden der Insel einen Besuch ab. Es roch stark nach faulen Eiern. Am gleichen Tag segelten wir weiter nach Lipari, der Hauptinsel, doch wir gingen hier nicht an Land, sondern hatten nur eine ungemütliche Ankernacht mit viel Schwell. Später segelten wir ganz früh nach Filicudi und fanden uns an der Stadtmole ein. Wir bekamen hier Wasser und gingen auch einmal auswärts essen. Die Enttäuschung war gross nachdem wir für ein mittelmässiges Essen einen saftigen Preis zahlen durften. Da gefiel mir Milazzo schon besser.

22. August 2000 Nach 11 Tagen in Deutschland bin ich wieder zu Hause auf der AMBERELLA. Es war schön die Eltern und Verwandten zu sehen, ich wäre gern noch länger geblieben, doch die Zeit drängt uns weiter westwärts. Wir wollen die Balearen erreichen, noch ehe die Herbsstürme, der gefürchtete Mistral eintreffen.

Während meiner Abwesenheit entwickelte sich Nina zur Maschinisten und baute unter Anleitung von Michel den Startermotor aus, der erneut Probleme bereitete. Weiterhin baute sie die Süsswasserpumpe des Motors und den Kühlkörper zum reinigen aus. AMBERELLAs Motor braucht dringend eine grosse Revision. Zu viele "Kleinigkeiten" fallen immer wieder an und halten uns auf.

In Milazzo traf ich einen Franzosen, der mir Auskunft und Adressen für unseren Renaultmotor geben konnte. Sogleich setzte ich mich mit Frankreich in Verbindung, denn ich brauche dringend und mindestens eine Reparaturanleitung für den Motor.

13. August 2000 AMBERELLA ist in Sizilien. Die Ereignisse der Ueberfahrt nach Sizilien. Ich habe nun endlich einen Flug nach Deutschland bekommen. Für 11 Tage gehe ich mit Nastasja weg, während AMBERELLA, Nina und Selina und auch Schwiegermutter Renata, in Milazzo, 20 sm nordwest von Messina vor Anker liegen.

Wieder hinke ich mit dem Update des Tagebuchs hinterher. Seit Iraklion wurde es immer schwieriger ein Internetcafe zu finden. In Sizilien erhoffte ich mir eigentlich Besserung, doch bisher fand ich nur Internet Points, wo man Münzen einwirft und surfen kann, aber nirgends den eigenen Laptop anschliessen darf.

Wie erwähnt, wir sind in Sizilien. Nach Koroni, Griechenland, liefen wir noch Methoni und Pylos in den Westlichen Peleponnes an. Koroni gefiel mir am meisten von den drei Städtchen. Wir waren froh die 3 Finger der Peleponnes gerundet zu haben und konnten so die Stadt besser geniessen. Mit uns im Konvoi segelte seit Insel Santhurini, Michel mit seiner Stahlyacht "Nomad".

Nun stand zu überlegen wie wir weitermachen wollten. Ziel war Sizilien, doch wegen der vorherschenden NW Winde müssten wir noch weiter nördlich entlang den windarmen Peleponnes segeln, um dann von Lefkas oder gar Korfu nach Italien überzusetzen.

Von windarm konnte erst mal keine Rede sein, denn wir sassen 3 Tage wegen Sturmwarnung in Pylos fest. Doch die Windrichtung passte wie immer nicht. Noch mehr als 100 Meilen nordwärts gegenan zu motoren war wirklich nicht unser Wunschtraum.

Also wollten wir erst mal in kleinen Portionen weitermachen. Nach Pylos lag nur 8 Meilen eine kleine Insel entfernt. Wir liefen am Nachmittag des 1. August aus, um mal die See und Windverhältnisse nach den stürmischen Tagen zu testen. Kaum dass wir aus der Bucht von Pylos ausliefen, gefiel uns das Wetter so gut, dass wir schon mit Michel am Funk über eine mögliche Kursänderung nach Sizilien spekulierten. Aus geplanten 8 Meilen sollten nun also 320 Meilen werden. Wir hatten noch etwas Zeit und wollten noch 1 Stunde segeln und dann entscheiden ob wir nordwärts wenden, um unseren Zielhafen anzulaufen oder ob wir auf dem Kurs bleiben und Richtung Sizilien segeln. Proviant hatten wir genug eingekauft.

So liefen wir mit der AMBERELLA fast ideal auf Kurs nach Sizilien. In der Nacht drehte der Wind aber mehr aus Nordwest und wir wendeten um einige Meilen wieder Höhe in Richtung Nord zu machen. So schafften wir am ersten Segeltag nur 85 Meilen.

Renata, Ninas Mutter, die seit Kyparissia, Ostpeleponnes, zum ersten mal auf einem Segelschiff war erzählte noch am Vorabend stolz, sie könne unter diesen Bedingungen 2 Wochen auf See verbringen. Doch schon nach 24 Stunden musste sie eingestehen, dass wir doch "schon lange unterwegs wären" und noch nicht mal ein drittel der Strecke erreicht hätten.

Den folgenden Tag liefen wir wieder bei nordwestlichen Winden unseren gewohnten Kurs, ahnten aber dass wir bei weiteren Nordwestwinden eher das südlicher gelegene Malta anstatt Sizilien anlaufen würden. Doch der 3. Tag brachte Flaute bei spiegelglatter See. Anfang motorten wir noch ca 30 Meilen nordwärts um wieder Höhe zu Sizilien zu haben, doch dann wurde mir das ewige motoren zu langweilig und auch der Dieselverbrauch sollte eingeteilt sein, da wir nur ca 100 Liter in Kanistern mitführten. So dümpelten wir einen vollen Tag und die folgende Nacht in Windstille auf dem südionischen Meer. Ich ging auf offener See baden. 3000 m Wassertiefe zeigte die Karte. Das Wasser war extrem warm, ca 26 Grad.

In der Nacht hätten wir fast einen Fisch am Haken gehabt, doch die 27 kg Leine riss in Ninas Händen. Dafür wurden wir mit einem Besuch von neugrierigen Delphinen belohnt, die immer wieder zurückkehrten sobald Nina in die Hände klatschte. Eine willkommende Abwechslung.

Am 4 Tag kam leichter Südwestwind auf. Der Wetterdienst den ich mittlerweile "Radio Münchhausen" nannte hatte seit Tagen starken Nordwestwind vorhergesagt. Doch wir sassen in Flaute. Auch als wir bei Südwest segelten, liess sich der italienische Wetterdienst Meteo Mar, nicht von seiner Vorhersage nach starken Nordwinden und hohen Wellen abbringen.

In der Nacht wurden wir von einem Frachter gewarnt, der uns meldete das ein anderes Kargoschiff in unserer Nähe gesunken ist und dessen Container auf offenem Meer trieben. Um der Gefahr auszuweichen segelten wir weiter Kurs Nordwest. Langsam erreichten wir die Küste von Calabrien, den Südzipfel des italienischen Festlandes. Es war wieder Flaute und wir sendeten erst mal per email unsere Position an Verwandte, Freunde und Leser unserer Webseite.

Meine zweite Postionsmelsung an Freunde und Bekannte schrieb:

"Nachdem wir unseren letzten Positionsreport absendeten ahnten wir noch nicht was uns in der Strasse von Messina erwartete. Nur eine Stunde später rief Michel, von SY Nomad am Radio. Er war in einem Fischernetz gefangen, konnte sich zwar selber befreien, aber sein Propeller war eingewickelt und in der Nacht nicht freizumachen. Wir wundern uns noch immer wie so nahe an der meist frequentierten Schiffsstrasse im Mittelmeer, Fischernetze ausgelegt werden kšnnen, noch dazu da wir die Frachter noch dichter an der Küste entlang fahren sahen als wir selbst uns trauten. AMBERELLA mit seinen 30 PS Motor zog nun also die 8 Tonnen schwere SY "Nomad" für 2 Stunden bis wir die Stasse von Messina erreichten. Hier erwarteten uns gleich steile kurze Wellen aber noch kein Wind. Sogleich refften wir aber maximal, denn dies war kein gutes Zeichen und sogleich gings auch richtig los. NW zuerst mit 6, dann 7 bft und ab und zu bliess auch mal eine Böhe mit guten 8 bft. durch die Düse zwischen den Bergen von Sizilen und Calabrien. Wie in einer Waschküche, mit Brechern im Cockpit peitschen wir gegenan, doch fielen wir ca 40 Grad vom Kurs ab, trotzdem wettete ich mit Nina, dass der Wind eher zu unserem Vorteil wechseln würde sobald wir die Mitte der Strasse erreichten.

Kein Frachter liess sich bei dem Wetter sehen wir waren ganz allein und sahen nur SY Nomad am Horizont mit dem Wellen kämpfen. Wie erhofft drehte der Wind erst auf NNW, dann N später sogar Nordost und wir konnten unser Ziel Taormina, Sizilien in den letzten Meilen mit halben Wind anlaufen. Nach den letzten Stunden kalter Dusche waren wir besonders froh in eine Bucht einlaufen zu können.

Sizilien, Taormina, Blick von Kloster

Fazit: 370 Meilen in fast 5 Tagen, davon 50 Meilen unter Motor, (toi toi der Diesel läuft problemlos). Ca 160 Meilen lief AMBERELLA allein ohne Autopilot und Rudergänger, einfach mit auf Balance eingestellten Segeln. Da wir 2 Tage in totaler Flaute lagen machte sich Nina schon Sorgen um die Frischmilch. Wir assen aber noch am Tag vor unserer Ankunft frischen Salat und selbst gebackenes Brot.. max Speed 7.7 knoten.. Ein Container Schiff sank nur ca 20 Meilen von uns entfernt und wir drehten auf Nord aus Angst in die treibenden Container zu gelangen. Auch weiter Ereignisse passierten in unserer Nähe. Laut Navtext: Ein 20 Meter Holz-Segelschiff wurde ca 60 Meilen in südlich von uns verlassen und trieb herrenlos in der See. Michel, SY Nomad, wollte schon umdrehen, und das Schiff aufbringen, doch ich war nicht scharf auf 60 Meilen zurück segeln, noch dazu Richtung Lybien. Die Kinder waren teilweise gelangweilt. Selina ist weniger das Problem. Nastasja wollte endlos das gleiche Spiel spielen und passte auf dass man auch richtig mitspielte. So blieb wenig Schlaf in den freien Stunden. Die letzte Nacht schlief ich 3 mal am Ruder ein, doch wegen der Flaute bewegten wir uns ohnehin nur 8 Meilen in 4 Stunden. Taormina ist ganz reizend. Sehr touristisch organisiert, saftige Preise. Der Vulkan Etna ist gleich 25 km entfernt und ragt majestätisch aus. Viel Eiscrem. Nastasja nennt Italien das "Glaceland" (Eiskremland). Die Italiener selbst sind sehr reserviert und nicht unbedingt freundlich."

 

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