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Tagebuch Juli 2000

30. Juli 2000 Seit nunmehr einer Woche ist Renata, Ninas Mutter an Bord. Nina und ich sehnen uns schon langsam nach unsererem Zuhause ganz für uns allein. Wir haben festgestellt, dass wir nicht länger als eine Woche mit Gästen an Bord segeln wollen. Längere Aufenthalte sind einfach ein zu grosser Einschnitt in unsere Privatshäre.

Nach 2 Tagen in Gerakas ging es weiter nach Monemvasia. Die kleine Marina von Monemvasia war von einem der Winterstürme zerstört und wir konnten nur Platz an der Betonmole finden. Monemvaisa beeindruckt mit seiner Altstadt und den Festungsbauten auf der Insel. Einen ganzen Nachmittag verbrachten wir in den Gassen und bei den Ruinen, schwelgten in Tagträumen aus alter Zeit.

Dann hiess es um Kap Malea zu segeln, auch das Kap Hoorn des Mittelmeers genannt, zu segeln. Doch die Rundung des gefürchteten Kaps Malea, (am ersten östlichen Finger der Peleponnes) brachte bis auf einige Fallböen keine Probleme. Ein gestrandeter Tanker mahnte schon bei der Annäherung zur Vorsicht und wir kannten auch die Berichte unserer Vorgänger, Georg "SY Isenisca" zeriss hier sein Grosssegel, Stephan "SY Caprioca" hatte Wind in Sturmstärke. So, wir hatten diesmal etwas mehr Glück und liefen sicher die Insel Elephonisos an.
Gleich am nächsten Tag segelten wir weiter bis Gerolimani (zweiter Finger der Peleponnes) und bei sehr wenig Wind und viel Motorstunden (toi toi toi "Otto", unser Diesel läuft seit 25 Stunden problemlos) machten wir heute eigentlich Kurs auf Longo. Insel Sapienza. Doch Rassmus liess uns nicht so leicht ums letzte Cap. Bei der Annäherung an Cap Gallo (3. Finger westlich.) kam plötzlich starker Westwind mit bis zu 6 Bft auf und wir drehten ab, nahmen Kurs nach Koroni. Kaum 5 Meilen vom Cap entfernt sassen wir wieder in der Flaute und liessen "Otto" die Arbeit machen.
Wir machen einen Tag Pause,... Koroni ist ein sehr hübsches Städchen. Wir ankern direkt unterhalb der venezianischen Festung, wo uns heute Morgen der Gesang von Mönchen weckte. Der Ausblick von den Festungsmauer ist überwältigend.

20. Juli 2000 Jetzt war ich für fast 3 Wochen nicht in der Lage mein Tagebuch zu führen. Die Zeit verlief so turbolent, dass ich Mühe habe alle Details der Geschehnisse nach zu konstruieren.

Zuerst einmal verbrachten wir nach dem 2. Juli 3 weitere Tage in Iraklion, denn das hydraulische Gertriebe leckte trotz neuester Dichtungen erneut. Verzweifelt suchten Georg, Gast an Bord, und ich nach einem Mechaniker der sich mit diesen Dingen auskennt und ich überliess das Getriebe seinen Händen. Ich war jedoch weiterhin skeptisch, habe i ch doch in der Türkei gelernt dass es unbedingt notwendig ist, alles selber zu machen. Nach der Montage vom Mechaniker liessen wir das Getriebe etxtra zum Test für fast eine Stunde auf der Drehbank laufen um eventuelle Lecks festzustellen. Alles schien diesmal in Ordnung.

Nina , die Kinder und Barbara wurden kurzerhand nach Knossos zur Exkursion verbannt. Auch unternahmen wir einige interessante Ausflüge im Hinterland von Iraklion, besuchten ein sehr altes Kloster, das von nur noch einem Mönch bewohnt wird und machten Badeferien. Gingen traditionell kretanisch Abendessen.

Endlich liefen wir aus Iraklion aus. Ninas Plan in kurzen Schlägen entlang Kreta zu segeln wurde verworfen und wir steuerten stattdessen Santhurini 60 sm nördlich von Iraklion an, um dort in den südlichen Kykladen auf bessere Winde zu stossen.

Wir machten jedoch nicht die Rechnung mit dem Faktor Pech. Zuerst einmal schlug die alte Arbeitsfock an der Naht auf und so machte AMBERELLA mit zu wenig Segelfläche bei steilen Wellen und geringer Fahrt einen ziemlich ungemütlichen Törn nordwärts. Als der Wind am folgenden Tag, denn wir segelten die gesamte Nacht, etwas nachliess und wir die Maschine benutzen, fiel unser Diesel nach 3 Stunden aus. Mehrere Startversuche blieben erfolglos. Er brachte keine Leistung, was auf schlechten Kraftstoffzufuhr zu schliessen war. Die genaue Ursache war dann an diesem Tag nicht mehr zu ermitteln, denn als Bonus unseres Pechs brannte der Startermotor durch. Ich flickte behelfsmässig ein Kohleabnehmerkabel, aber es reichte nur für 4 weitere Startversuche und brannte dann erneut durch.

Thira, (Santhurini) Sep. 2000

So erreichten wir unter Segel den Ankerplatz Akrotini, im Süden von Santhurini. Der Anblick dieser fantastischen Insel machte dann erst mal die Strapazen und den Stress wett, doch um wieterzukommen mussten wir dringend die Probleme am Diesel lösen. Ein Elektriker für den Startermotor war schnell gefunden und repariert. Doch die Ursache des Leistungsabfall am Diesel der am Ende nicht einmal die Lichtmaschine andrehen konnte war mysteriös.

Wahnsinnsblick auf die Stadt Thira

Ich traf Michel von SY Nomad, einem Belgier der seit 12 Jahren um die Welt segelt. Er wollte mal einen Blick auf unseren Diesel werfen. Nach Prüfung der Kraftstoffleitung und der Luft, blieb nur noch der Auspuff der verstopft sein könnte oder aber die Kompression. Was für eine Arbeit den Auspuff abzubauen und behelfsmässig einen Testauspuff anzubringen. Aber das Ergebniss nach so viel Mühe war das selbe. Blieb nur noch die Kompression oder der Zylynderkopf. Meine schlimmsten Befürchtungen wurden wach, doch Michel meinete das wäre kein Problem wenn wir einen Drehmomentschlüssel haben, können wir das schnell wieder zusammenschrauben. Also wurde gewerkelt und der Zylinderblock abgenommen. Wieder ein Tag in Oel und Schweiss.

Thira /Santhurini) Blick auf Kraterinsel, Juli 2000

per email schrieb ich:"Wir sind immer noch in Santhuiri. mit öligen Handen an der Maschine. Haben komplett Zylinderkop abgebaut etc. Hatte natürlich wieder Glück im Unglück, und traf einen Belgier, Michel von SY Nomad" der seit 12 Jahren die Weltum segelt und ausserdem eine Art Spezialist ist.Somit bekomme ich jetzt einen Crashkurs im reparieren von alten Maschinen. Wenn trotzdem nix mehr geht segeln wir morgen ohne Machine weiter. wollen wenigstens eine Zipfel der Peleponnes erreichen. Vielleicht bis Kalamata. waere perfekt, da ich auch nach Deutschland muss Momentan sieht es so aus, als wenn die Glühkerzen deren inneres Glühelement sich gelockert hat, die Ursache für die schlechte Kompression sind, denn die Zylinderdichtung ist okay, haben sie gestern abgebaut. naja, der Auspuff wurde auch ausgebaut." Man kann sich die Schweinerei an Bord vorstellen. Und Ninas Laune, die mit jedem Oelfleck auf dem Teppich litt sehr.

Doch die Zylinderdichtung nach der Inspektion schien okay, nur das Ventilspiel war etwas suspekt. Trotzdem konnte das nicht die Ursache für den plötzlichen Leistungsabfall sein.

3 Tage später schrieb ich: "3 Tage , wo man Nerven aus Stahl brauchte. der Diesel Motor war komplett zerlegt, weil Verdacht auf schlechte Kompression, und am Ende stellte sich heraus, dass der neue 2. Filter zu wenig Diesel durchlässt. Alles wieder zurück, extra einen Drehmomentschlüssel organisert. Das war gute Schule im Reparieren von Michel SY Nomad, kam gerade aus Israel. Doch dann war plötzlich Wasser im Oel, die Zylinder-Dichtung nicht mehr perfekt, oder nicht fest genug angezogen. sch... nochmals Drehmoment Schlüssel besorgt. Alles fester gedreht, teilweise weit übers Limit, 2 schrauben abgebrochen---am ende. Neue gedreht... alles nochmal...

Oelige Hände seit 3 Tagen und einfach am Ende... mit Luftpumpe und Pilotschlauch bis ins untere Ende der Oelwanne, die klebrige aufgeschäumte Masse Oel ausgespült. Teilweise mit Salatoel und Diesel nachgespült.. 2 mal Oel gewechselt, weil das neue Oel immer noch schmutzig wurde. Wenn es jetzt nicht geht dann weiss ich auch nicht mehr. Ziel kalamata noch 120 meilen. Das ist noch weit aber ohne Optimismus geht es nicht. Leider gibt es heute keinen Wind. ...Ich prüfe nochmal das Oel jetzt... naja, Ich wills echt nicht wissen, wir fahren jetzt einfach. Erst mal nach Milos und dann mal sehen, zum westlichen Festland. Kapverden ist noch weit, sehr weit."

Dann legten wir ab nach Milos. Das war ein unkomplizierter Nachttörn. Nina war trotzdem nicht so froh, denn Nachtfahrten wollten wir wenn möglich vermeiden. Diese Ansicht muss ich auch teilen, denn oft schafft man zwar mit dem Nachtsegeln mehr Meilen, ist dann aber am nächsten Tag so zermürbt, dass man den folgenden Tagam Ankerplatz verschläft und so eigentlich genau so wenige Meilen schaffte wie bei zwei Tagestörns und umsoweniger von der Umgebung gesehen hat. Natürlich ist uns bewusst dass uns noch grössere Strecken bevorstehen, aber solange dies nicht nötig ist, sahen wir keinen Grund uns mehr anzustrengen. Nina fand aber auch dass sie bei den unstabilen Windverhältnissen nicht segeln wolle. Georg hatte bei ihr momentan schlechte Karten, denn sie empfand ihn mehr und mehr als "Besserwisser". Emotional wie sie nun mal ist, schob sie schon fast den Grund für das schlechte Segelwetter auf Georg.

Doch die Zeit für unsere Gäste Georg und Barbara drängte. Wir mussten mindesten die Peleponnes erreichen, damit die zwei Ihren Rückflug buchen könnten. Also schwenkte auch Nina ein, nachdem das Wetter etwas besser vorrausgesagt wurde. Es kam auch zu Diskussionenzwischen uns, denn die zwei, zumindest Barbara waren ziemlich frustriert wegen der Verspätungen, wir andereseits nervten uns weil wir meinten der ursprüngliche Plan entlang Kreta zu segeln waere der Bessere gewesen. Das Wetter mit mehr als 3 Tagen SW Winden gab uns auch recht, denn in den Kykladen knüppelten wir wie gewohnt gegen den traditionellen Nordwestwind an warend wir von Kreta aus nun ideale Verhältnisse hätten.

Die Eskalation gab dann die Ueberfahrt von Milos nach Monemvasia, bzw Kapirissia, das 30 Meilen nördlich liegt. Der Wind frischte zu schnell auf, erreichte schnell 6 bft und besonders die Wellen waren wieder tückisch, kurz und steil, wir refften zwar 2 mal, doch trotzdem hielt das Gross dem Druck nicht stand. Das Gross peitschte sich zu nah am Wind in Fetzen. Ich war komplett demoralisiert und verfluchte mich weil ich zu spät reffen liess und auch Georg, der mir seit 2 Wochen mit seinen Meilen und Erfahrungen und gut gemeinten Ratschlägen in den Ohren lag und trotzdem selber zu langsam die Entscheidung zu einem weiteren Reff im Gross fällte. Doch die Schuld lag ja bei mir, liess ich doch Barbara und Georg allein im Copckpit um ein wenig auszuruhen. Der Skipper trägt nunmal die Verantwortung. Die Menge der Defekte an Bord, die uns seit 3 Wochen befielen war einfach nicht zu verkraften ich wollte mal ausruhen. Wieder ohne Grosssegeln mussten wir gegenan, um wenigsten Kapirissia zu erreichen.

Als dann ein drittes Mal weisser Dampf und Schaum über den Ventilen des Dieselmotors auftrat, in sicheres Zeichen für Wasser im Oel des Diesels, war ich so am Ende dass ich einfach den Diesel weiterlaufen liess. Mir war egal ob er jetzt irgendwann kaputt geht oder nicht. Im Nachhinein war diese Frustentscheidung die Beste, denn wenn der Diesel erst mal abgestellt und das wässrige Oel kalt wird, verklumpt es zu einer so zähen Masse, und ist nicht mehr zur gebrauchen. Der Diesel stampfte also weiter gegenan und am Morgen um 0600 Uhr kontrollierte ich den Motor. Das Wasser war weg, einfach verdampft, also war es nur ein Rest im Oel und der Zylinderkopf war dicht. Meine Stimmung hob sich.

Kapirrisia belohnte und mit seinem wunderschönen Anblick. Die hohen Bergen umsäumen die Bucht wie eine Kathedrale. Auch Michel, von SY Nomad war angekommen und wir trafen auf ein weitreres jüngeres Segelpaar, Stefan und Beate von der "Caprioca". Stefan und Beate liehen uns gleich ihre Nähmaschine für die Segel. Doch wir merkten schnell das es schneller war von Hand zu nähen.

Nachdem Barbara und Georg abgereist waren, später hörten wir sie haben knapp per Taxi den Flug erreicht, erkundeten wir das kleine Dorf und fühlten uns wieder etwas wohler. Hier machten wir einmal Bestandsaufnahme. Das Gross hatte 3 Risse, war wie eine Fahne im Material zerfledert, die Fock sah nicht ganz so übel aus. Aus einem Impuls heraus fingen wir an die Segel zu nähen. Was blieb uns anderes übrig. Die alte Fock war aus stabilen Material und nur an der Naht aufgeschlagen. Kurz versuchten wir auch mit Beates Nähmaschine ein paar Zentimeter zu nähen, doch per hand ging es wirklich schneller.

Michel, von SY Nomad, machte uns immer wieder Mut und so hatten wir zumindest die Fock fertig genäht und legten ab nach Gerakas, nur 15 leinen südlich. Das war endlich Spass am segeln. Mit achterlichen Winden liefen wir ab und waren schon nach 3 Stunden in der schönen Lagune von Gerakas. Dort gefiel es uns gleich 2 Tage.

....

2. Juli 2000 Wir verlassen endlich Iraklion, nachdem wir 8 Tage unsere technichen Probleme lösten. Der Aussenborder, das Grosssegel und das Getiebe sind wieder installiert, bzw repariert. Besonderes Pech hatte ich mit der Lieferung der Teile für das Getriebe. Die Hälfte der Teile passte nicht, war für ein anderes Model und die Kosten von 100 DM fürs Material und zusätzlich 180 DM für die Lieferung per UPS (Briefumschlagpacket) schockten mich ungemein, wo man doch diese Art von Simmeringen für 5-6 DM das Stück kaufen kann. Leider konnte ich in der Türkei aber keine imperialen Masse (Insch) auftrieben und bestellte , um sicher zu gehen in den USA. So lernte ich wieder mal eine Lektion.

Wir haben für 2 Wochen neue Crew. Georg und Barbara, begleiten und entlang Westkreta und den Peleponnes, bis Kalamata.

 

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