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30/04/99 Wieder zurück auf der Baustelle. Wir fuhren von Göcek mit dem Bus zurück nach Fethiye, weil Georg noch etwas länger in den Buchten bleiben will. Das wollen wir auch bald. Also geht es wieder mit höchstem Eifer an den Bau.

Ich habe die Wasserleitungen fertig verlegt und werde nun den Kochherd anschliessen. Nina schleppte einen riesigen Berg fertig genähte Polster und Matrazen an. Langsam nimmt das Chaos normen an und unsere Zuversicht steigt.

28/04/99 Am Morgen kosteten wir nochmals das klare Wasser in der Bucht zum Baden aus und spazierten zu einer nahe gelegenen Quelle mit kleinen Wasserfällen und Terassenpools. Alles blüht momentan und sieht sehr romatisch aus. Leider macht mein Heuschnupfen keine Ausnahme und lässt mich den Anblick nur wenig geniessen.

27/04/99 Damit wir wieder mal erinnert werden warum wir den ganzen Stress auf uns nehmen gingen wir für 1 Tag mit Georg und seinem Schiff Isenisca segeln. Am Nachmittag war perfektes Segelwetter und wir schwebten elegant über das Meer. Mit dabei waren auch Nastasjas Freunde Siwa (4 Jahre alt) und deren Eltern Gonca und Yardan. In der Bucht Bonusbüki traute ich mich zum ersten Mal in diesem Jahr ins Wasser. 21 °C Wassertemperatur im April! Klasse ! Am Abend wurde gegrillt. Nina und ich gaben uns den Träumen hin und überlegten wann wir endlich mit AMBERELLA hier anlaufen würden.

23/04/99 Eine neue Idee wegen dem Duschwasser musste her. Nun habe ich eine grosse Handpumpe ins Cockpit verlegt mit der ich zur Not auch die Bilge lenzen kann. Beim Kauf des Zweiwege-Ventils musste ich schlucken, denn 120 DM für ein Stück Plastik sind echt zuviel. Doch alle Kataloge bestätigten mir, dass in dieser Branche richtig abgezockt wird.

Das Verlegen der Schläuche war zeitaufwendig. Die Plastikschläuche, die Einzigen die man hier bekommt, sind so knüppelhart, dass das Biegen nur mittels Wärme möglich ist, ganz zu schweigen vom Aufsatz der Verbindungen. Mittels Plastik-Steckverbindungen und Tangit-Kleber baute ich mir die Anschlüsse und Reduzierstücke.

21/04/99 Seit zwei Tagen grübele ich nun schon an einer Lösung für den Duschwassertank in AMBERELLA. Das Altwasser muss irgendwie abgepumpt werden, und in meinem Bestreben keine elektrischen Pumpen zu verwenden muss ich nun umstädlich eine Handpumpe und deren Schlauch verlegen. Nachdem ich alle Möglichkeiten durchprobiert habe fing ich an zu bohren und zu schrauben, bis Nina kam und meine Idee die Pumpe vor dem Waschbecken anzubringen, nicht sehr ästhetisch fand. Also werde ich nochmals einen Tag an einer neuen Lösung arbeiten Wir haben ja Zeit:)

18/04/99 Spontan bei diesem verdammt gutem Wetter (25°C) entschied ich mich mit Nastasja doch nochmals eine Anlauf zu unternehmen und reiten zu gehen. Mit dabei waren Nastasjas Freundin Siwa und deren Eltern, Gonca und Yardan. Nastasja liebt Tiere und insbesondere Pferde. (wie wohl alle kleinen Mädchen). In Kayaköv ( Kaya-Village) besuchten wir auf unserem Ritt ein Königsgrabmahl aus der Zeit noch vor den Römern. Der Bauer der die Pferde verlieh lud uns auch zu eigenem Wein ein und erzählte von seinem Ort. Kayaköv ist ein ehemaliges Dorf der Griechen, die mit der Besetzung der Türkei und den späteren internationalen Verträgen nach Griechenland auswanderten. So entstand eine komplette Geisterstadt, die nach jahrelangem Verfall nun zum Touristenziel gemacht wurde. Man kann in den engen verlassenen Gassen noch genau das Leben Anfang dieses Jahrhunderts empfinden. Die verlassene Kirche, die Schule, der Markplatz..alles wirkt auf den Besucher immer noch irgendwie lebendig.

Während wir uns amüsierten schwitzte Nina in der Sonne und schliff die Teakkreeling für einen neuen Lackanstrich. Jetzt kommen also schon Pflegearbeiten zum noch nicht fertiggestellten Ausbau.

14/04/99 Die letzen Abeitstage verbrachten wir mit dem Design der Toilette und der Dusche. Nachdem wir alles Alte rausgerissen hatten war es genau so ein grosses Projekt wie all die anderen Arbeiten die ich mir am Schiff vorgenommen hatte. Bilder vom Erfolg kommen bald hier auf dieser Seite.

Nach unserem ersten und mühsamen Ankermanöver mit der elektrischen Ankerwinde und der verschlammten Kette sah ich eine tolle Idee wie man das Problem lösen kann. 3 Schrubberbürsten werden in ein ofenrohrähnlichen Halbkreis geschraubt und diese Superbürste dann an einen langen Bootshaken befestigt. Nun kann man mühlos die Kette während sie noch im Wasser hängt vom Schlamm befreien. So einfach doch total genial!

11/04/99 Der freie Tag den wir uns gönnen wollten wurde total verregnet. Eigentlich wollten wir mit Nastasja reiten gehen, doch das Wetter erlaubte dies nicht. So fuhren wir mit unseren türkischen Freunden Yardan, Gonca und Siwa (4 Jahre) in die verlassenen Stadt Kayaköv und genassen in einem Mangal-Restaurant einen Grillnachmittag.

10/04/99 Wir haben heute vom Hotelsteg abgelegt und gingen vor Anker. Das Budget erlaubt keine weiteren bequemen Tage am Steg. Die groben Schleifarbeiten sind getan und wir können mittels Generator weiter an Bord vor Anker arbeiten. Beim Anblick des Chaos an Deck, denn ich hatte alle Materialien und Werkzeuge vom Steg auf AMBERELLA übergeladen, wurde ich von einem holländischen Segler gefragt. "hast Du einen Motor?" bzw "einen der funktioniert?" Ich bewies ihm sogleich das Gegenteil, indem ich den Schlüssel des Zündschlosses umdrehte und den Motor startete. Erstaunlicherweise spring der 30 PS Renault Diesel schneller an als ich erwartet hatte.

Die Bewährungsprobe für die selbstgebaute Ankerwinde war nur halb bestanden. Wir hatten die gesamten 60 Meter 10mm Kette ausgelegt und wollten diese nun zum ersten Mal in voller Länge ohne Muskelkraft an Bord holen. Die ersten 20 Meter gingen ohne Probleme in den Ankerkasten, doch die nächsten Meter der vollkommen in Schlamm gekleidete Kette liefen nur zögern durch das Niro-rohr in den Ankerkasten. Wie beführchtet klemmte die Kette weil sie nicht weiter und frei nachrutschen konnte. Das verzögerte das Aufhole-Manöver zu einem Nervenspiel. Das Ausrauschen der Kette am Ankerplatz hingegen ging besser als ich erwartete, denn hier war ja anfangs das Problem bei der Konstruktion.

06/04/99 An meinem 30. Geburtstag hätte ich zu gerne auf dem Schiff gefeiert, doch leider habe ich dieses Ziel nicht erreichen können. Das ist meine eigene Schuld.

Immer wieder bestürzen mich Zweifel, ob wir es überhaupt noch fertig bringen werden. Es sind eigentlich keine Zweifel. So kann man das nicht bezeichnen. Doch irgend wie fehlt der Enthusiasmus am Ziel. Immer wieder nehme ich mir ein Seglerbuch vor und lese mich neidisch, um nicht vom grossen Traum der eigenen Seglertour abzukommen. Fast habe ich Versagerängste, weil ich merke das mir die handwerklichen Fähigkeiten zu fachgerechter Planung und Umsetzung des Innenausbaus fehlen. Auf der anderen Seite sage ich mir natürlich, dass ich kein schwimmendes Hotelzimmer bauen will und muss, dass wie die heutigen Designeryachten mit auf jedes Detail abgestimmten Dekor gefertigt wird. Doch warum werde ich nicht fertig, bzw warum lege ich nicht mit der vollen Power los und mache die Dinge fertig. AMBERELLA wartet doch nur darauf fertig gestellt zu werden.

Die Liste ist schier endlos und es gibt Installationen von denen ich noch nicht weiss wie sie ausgeführt werden soll. Da ist zum Beispiel der Motor, der auf Schwingelementen gelagert werden sollte, (die er bisher nicht hat), oder die Elektrik mit 3 Solarpanelen, Windgeneartor und Wechselstrom-Generator die alle miteinander sinnvoll verknüpft werden müssen. Es gibt so viele Arbeiten die ich anfing und noch nicht bis zum letzen Detail fertig gestellt habe. Der Kühlschrank wartet auf den Anschluss des Kompressors, die Solarpanel auf die Batterien die sie laden sollen, die Schalttafel auf die vielen Beleuchtungen, die Toilette auf den Fakalientank, das Deck auf die Genua-Schienen und den Anstrich, der Windgenarator wartet auf weitere Stützen für seinen Mast, die Polster für die Kabinen müssen genäht werden. etc etc Mir dämmert immer mehr das ein altes Schiff zu einem günstigen Preis schnell auch seinen eigenen Preis haben kann. Die Zeit und die eigenen Arbeitskraft.

Auch Nina's Enthusiasmus steht und fällt mit meiner Laune. Oft denkt sie darüber nach, dass sie nochmals in die Schweiz gehen würde, um mehr Geld für unsere Pläne dazuzuverdienen. ich hingegen entgegne ihr immer das wir zuerst AMBERELLA segelklar und wohnbar machen und dann unsere Situation neu überdenken. Es nützt uns nichts wenn wir hier halbe Sachen fertig stellen und noch mehr Zeit vertrödeln.

Ich glaube ich bin immer noch nicht zielstrebig genug bei der Sache um das alles fertig zu stellen. Doch wenn ich nicht bald aufwache ist unser Budget dahingeschmolzen und wir haben nichts erlebt. Ich müsste die Homepage umbenennen in "Der Kampf um Willenstärke" oder so ähnlich.

05/04/99 Noch immer funktioniert der türkische Provider nicht. Das Aufladen der Internet-Seiten kann ich nur mittels dem kostspieligen schweizer Provider vornehmen.

03/04/99 Wieder einmal ist mir bewusst geworden, was für eine Aufgabe ich mir mit meiner Homepage aufgeladen habe. Zwei sprachig und unterhaltsam ist momentan fast nicht zu vereinen. Langsam muss ich mir die Gedanken aus den Fingern saugen, weil durch den "Alltag" beim Bootsumbau keine nennenswerten Ereignisse passieren.

Jetzt kommen auch noch Schwierigkeiten mit dem Internetverbindungen dazu, die sehr unstabil sind. Somit werden regelmässige Updates gerade erschwert.

01/04/99 Diesen Monat wollen wir auf AMBERELLA ziehen. Also wird mit noch mehr Eifer gearbeitet. Noch habe ich keine Ahnung ob wir das schaffen werden, aber ich lasse mich von Nina anspornen. Wir wechseln uns wieder beim Arbeiten ab, während einer auf Nastasja aufpasst.

weiter im Tagebuch (März)