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30/03/99 Die Regenzeit ist zurück. Ein Tief nach dem anderen zeigt die Wetterkarte.

Nina arbeitete heute ganztags während ich mit Nastasja einen faulen Tag verbrachte. Sie hat sich in den letzen Tagen um ein Hundebaby gekümmert, das wenig Chance zum überleben hatte.

Auf AMBERELLA gehts weiter. Jeder "Fachmann" meint nun er wäre schneller am Boot bauen wie wir. Und da haben die meist sogar recht. Mann oh mann, ich krieg nichts hin wie ich will. Gestern habe ich an einem Rahmen gemurkst und zig mal geflucht, weil die Winkel nicht passten, die Säge stumpf war und ich einfach zu blöd zu sein scheine. Langsam entwickelt sich das ganze Unternehmen in stressige Arbeit (ohne Bezahlung) und das wollte ich natürlich nicht. Sogar Nina bringt an einem Nachmittag mehr zu stande als ich, (und sagt es auch noch). Da bin ich echt geledert.
Ich habe mal ne Liste von groben Aufgaben erstellt und als die soooo lang wurde das der Newton ( mein elektronischer Notizblock) meldete "this note is too long, use another one" war ich auch wieder bedient, und trau mich nicht reinzuschauen.

28/03/99 Das Schlachten zum Bayram-Fest nimmt kein Ende. Allein unser Nachbar hat drei Schafe im Garten. Wir zeigen Nastasja lieber nichts von diesem traurigen Schauspiel, sie würde wohl kein Fleisch mehr anrühren wenn sie wüsste, dass auch wir im Kühlschrank das Fleisch des Nachbarn haben...

Nina pflegte in den letzten Tagen einen kleinern Hund, der an Staupe erkrankte. Die Chancen waren leider zu gering um ihn zu retten. Sie schreibt darüber in Ihrem Tagebuch.

 

27/03/99 Es dauerte weitere 2 Tage um die Ankerwinde zu verfeinern und ich fummle immer noch an einer Abdeckung für den Motor unter Deck. Ich fange schon an laut vor mir her zu schimpfen, weil ich es einfach nicht hin bekomme. Alles ist schräg an Bord, keine rechten Winkel. Zusätzlich streikte die Bohrmaschine, die ich kurzerhand auseinandernahm und den Schlag blockierte, der die Ursache für das Problem war.

In der Türkei wird an diesem Wochenende und nächte Woche der "Bayram" eine Art Erntedankfest gefeiert. In Tradition schlachten die Reichen das Tier das sie sich leisten können und spenden einen grossen Teil an die Armen. Eine Menge Ziegen stehen fast in jedem Hausgarten angeleint und warten auf ihr blutiges Ende. Ihnen wird die Kehle aufgeschnitten und sie werden an einen Baum aufgehängt, bis sie zu Tote bluten. Andere Länder andere Sitten!

23/03/99 Um die Holzarbeiten in der Frontkabine fertig zu stellen musste die selbst gebaute Ankerwinde eingebaut werden. Das war ein Stück Arbeit. Ich fand die Idee so riesige Löcher für die Kettenführung ins Deck zu bohren nicht so toll. Georg half mit. Wir nahmen die Ankerwinde auseinander, bohrten die Löcher, passten das Aluminiumgehäuse aufs Deck und schraubten eine 8mm Aluminium Platte unters Deck. Es dauerte mehr als eine Stunde das 50 mm2 fingerdicke Kabel von der Starterbatterie nach vorne zu verlegen. Der Motor war einfach anggeschraubt. Noch weiss ich nicht wie ich dieses riesige Teil am Kopt der Frontkabine "unsichtbar" machen soll. Wir setzten die Teile zurück auf den Shaft der Ankerwinde und machten einen Versuch. na klar er funktionierte nicht. Die Kettennuss konnte nicht angebremst werden und als ich sie richtig festknallte drehte sie sich zwar keine Kette aus, aber auch keine hinein. Sie war fest. ich erkannte das der Sprengring der die Nuss über dem Gehäuse hält vom Schaft abgerutscht ist und so die Nuss auf das Gehäuse gepresst wurde. Als wir das änderten ging es gut. Die Kette ging ohne Mühe ein und aus.

Als weitere gute Nachicht ist zu erwähnen, dass der alte Tiefenmesser nach dem zweiten Versuch funktioniert.

19/03/99 Ich wollte gestern schon die Updates senden, musste aber dann zum Boot zurück und verbrachte die Nacht dort, zur Sicherheit.
Windböen und Wellen schlugen in die Bucht und AMBERELLA tanzte an den Leinen. Eine Armada von Booten verliess die Stadtpier von Fethiye, weil dort die Wellen einrasten und suchten Schutz auf der gegenüberliegenden Seiten der Bucht. Es war richtig was los.

Der Windgenerator machte diesmal richtig Krach und er klang teilweise wie eine abgeschossene Messerschmidt. Dann habe ich ihn kurzgeschlossen und er stand, somit war Ruhe.
Die Wellen waren nicht hoch aber steil und es klatschte bis aufs Deck hoch.

Heute soll der Wind auf West drehen und am Abend Windstärke 11 (ca 130 km/h) erreichen. Mal abwarten. momentan nieselt es und das ist ein Zeichen für weniger Wind. Zuviel Regen mag ich aber nicht, lieber etwas Wind. Bei Wind aus West habe ich keine Sorgen, denn da gibt es weniger Welle und AMBERELLA wird vom Steg weggedrückt.

18/03/99 Der Bootsbau auf AMBERELLA schleppt sich weiter. Es ist manchmal zum Verzweifeln wie langsam wir vorankommen. Die einfachsten Arbeiten gehen mir schwerer von Hand als ich glaubte. Manchmal sitze ich im Boot und starre auf die Wände, unfähig einen klaren Gedanken zu fassen oder irgend etwas zu machen. Georg bestätigt mir, dass es ihm tagelang auch so ging als er sein Boot baute. Na das tröstet wenigstens etwa. Immer wieder entscheide ich mich dafür, etwas vom alten Holz auszureissen, und verlängere so den Prozess des Umbaus. Das Holz der Frontkabine z.B. habe ich an einem Tag komplett ausgebaut und wieder einlaminiert. Doch aufgeben steht absolut nicht auf der Tagesordnung. Ich weiss genau, dass ich das Richtige mache. Immer wenn ich AMBERELLA betrachte ertappe ich mich in dem Gedanken, wie schön dieses Schiff aussieht und aussehen wird. Das ist mein Beweiss, dass unsere Mühe bald belohnt wird.

Die Küche ist auch so ein Projekt, dass nie fertig zu werden scheint:Es dauerte fast 2 Monate bis ich jemanden fand der Resopal aus Sperrholz kleben un pressen kann. Die Küchenplatte wurde aus wasserfestem Sperrholz geschnitten und mit dem Laminat mittels Presse geklebt. Für die Spüle und den Kühlschrank ist jeweils ein Deckel eingefasst um eine gerade Arbeitsfläche beizuhehalten.

 

13/03/99 Gestern war wieder so ein Tag zum Schreien. Gemeinsam mit Georg, entdecken wir ein seit 2 Monaten gestohlenes Dingi und gehen zu Hubertus, dem Besitzer und melden ihm den Fund. Er spendiert auf unsere Frage nach dem Finderlohn einen Kasten Bier und wir tragen die Trophäe des Tages an den Steg , trinken 3 Flaschen , und verladen den Schatz auf Georgs Dingi der ihn auf sein Schiff bringen will. Er stellt den Kasten auf seinen Laufsteg, klettern an Bord, vergisst den Kasten, der kurze Zeit später mitsamt dem Laufbrett ins 3 Meter tiefe und sehr trübe Wasser platscht. Na hoffentlich ist das Bier da unten gekühlt.

Heute is das Wasser klarer und wir sahen den Schatten der Kiste am Boden und scheinbar alle Flaschen noch eingesteckt. Also gehts demnächst ans Angeln einer Kiste Bier.

10/03/99 Die Zeit rennt und das Budget wird kleiner. Nochmals kam eine grosse Ausgabe hinzu. Für die nun fertige Kühlbox kaufte ich den Danfoss-Kompressor und einen Verdampfer. Um den Kühlschrank komplett zu machen fehlen nun noch 3 mal (min. 90 Ampere) Batterien, der Anschluss an die Solarpanels und die Verlegung der Elektrik zum Kühlschrank. Eigentlich ist es Wahnsinn an Bord einen Kühlschrank zu bauen. Dies ist der grösste Kostenfaktor überhaupt. Nicht allein die Kosten sondern auch die Elektrik wird durch einen Kühlschrank sehr komplex und anfällig, dass man sich fragen muss ob das alles überhaupt Sinn macht. Wenn man bedenkt was ein 12 Volt Kompressor kostet, dann bedenkt das man den Stromverbrauch ( ca 5 Ampere pro Stunde, macht bei 50% Kompressorbelastung pro Tag = 60 Ampere) mit einem grösseren Batteriepacket absichern muss, um nicht täglich Laden zu müssen. Und wie soll man denn laden, will man nicht täglich den Motor und damit die Lichtmaschine laufen lassen? Also kommen Solarpanele mit Laderegler hinzu. Und wenn die Sonne nicht scheint- na dann muss eben der Windgenerator laden. Und wenn niemand läd muss eine Elektronik den Kühlschrank rechtzeitig abschalten, damit die Batterien keine Tiefentladeschäden bekommen. Wenn es doch einfacher wäre! Stecker in die Wand und fertig ist der Kühlschrank. Was tut man nicht alles für ein kühles Bier und streichfähige Butter? Alles in Allem ist die kühle Rechnung sehr sehr hoch, wenn man alle Nachfolgekomponenten hinzuzählt. belastet allein die Kühlung an Bord unser Budget mit mehr als 3000 Mark. Dabei schliesse ich den Windgenerator aus, denn der dient dem generellen Ladestromkreis. Ein teures Bier.

03/03/99 Heute machten wir nach unerem Einkaufvormittag einen freien Nachmittag. Die Temperaturen steigen jetzt ganz rasant und es wird richtig angenehm in Fethiye. Auch als wir den Bergkamm zum Hillside-Komplex am Ende der Stadt empor kletterten vergass ich alle moementanen Sorgen und genoss mit Nina und Nastasja den Sonnenuntergang.

Nina schrieb auch wieder etwas in ihrer Rubrik ein.

02/03/99 Wieder ist ein Monat vergangen und mir wird schwindlig wenn ich an all die Arbeit denke die an AMBERELLA noch zu erledigen ist. Unser Zeitplan kommt sehr stark ins Wanken. Ich muss zugeben, dass ich den Aufwand an Zeit beim Herrichten des Schiffes komplett unterschätzt habe. So werden wir wohl unsere Früphjahrspläne ändern müssen.

Erst vorgestern habe ich mich wieder entschloseen einen Teil des alten Holzes im Salon rauszureissen. Jetzt sind wir ohnehin schon so weit am Neubau, dass es mich später ärgern würde wenn ich manche Reparaturen nur halbherzig ausführen würde.

Auch sind auf dem Deck noch sehr viele Reparaturen auszuführen, ein neuer Anstrich fehlt noch und die gesamte Hardware muss wieder aufgeschraubt werden. Das Rig muss gespannt werden und und und, die Liste wird immer länger. Ich mag sie gar nicht aufschreiben, wobei ich das eigentlich machen sollte.

Da unser Budget gering ist können wir uns professionelle Hilfe auch nicht leisten. Ausserdem habe ich von der "professionellen" türkischen Arbeit ohnehin keine Meinung. Jeder der hier einen Nagel gerade in die Wand schlagen kann nennt sich "Meister".(siehe Ankerwinde)

Die Ankerwinde ist nun nach der dritten Überarbeitung fertig und hier setzte eine kurze Beschreibung dieses Selbstbaus einer elektrischen Ankerwinde ins Web.

 

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