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Tagebuch
März-April2001
Der März zieht vorüber und schon steht
der April vor der Tür. Wenn ich an meine Arbeitsliste denke,
weiß ich nicht wann ich das alles fertig stellen soll. Alles
dreht sich nur ums Reparieren, Umbauen und Verschönern. Heute
habe ich das mal wieder so richtig satt. Wann kann ich die Werkzeuge
mal richtig in der Bilge vergraben? Da kommen mir immer die Bilder
von im Cockpit gemütlich lesenden und entspannten Seglern
in den Sinn. So was gibts scheinbar nur im Kino. Täglich
sehe ich meine Seglerkameraden in Arbeitskleidern.
Ich meine ja selbst, oft macht es richtig Spaß etwas fertig
zustellen, zu verbessern oder neu zu lackieren. Doch irgendwann
muss ja mal Schluss damit sein.
Am liebsten habe ich kleine technische Projekte. Doch andere Dinge
wie Holzarbeiten und Innenausbau, möchte ich manchmal so
lange wie möglich vor mir herschieben. Ich habe einfach zwei
linke Hände für so etwas. Ich hätte wirklich ein
Handwerk lernen sollen. Es ist zu frustrierend wenn man die einfachsten
Arbeiten durch Ungeschick oder fehlende Sachkenntnis vermasselt.
Ich habe die Scharniere für 4 Lamellentüren angebracht
und zu spät bewerkt, dass ich bei einer Tür die falsche
Seite verschraubt habe. Jetzt gibt es da so hässliche Bohrlöcher.
Solch Ungeschick passiert mir oft.
Den Kindern geht es momentan prächtig. An windarmen Tagen
ist es schon warm genug um am Strand zu spielen oder sogar zu
baden. Nastasja schwimmt nun erst wieder nur mit Schwimmring.
Selina hat keine Scheu vorm kalten Nass. Sie kann ewig im Wasser
planschen. Sie brabbelt nun auch
Selina brachte es heute schon vor dem Frühstück fertig,
das Badezimmer mit klebrigem Shampoo zu fluten. Gleich danach
steckte sie ihre Shampoofinger in den Schokoladenbrotaufstrich
und bemalte kunstvoll Nina's neue Polster, ein Vergehen für
das man früher sicher "Kiel vergeholt" wurde:).
Aber Selina überbrückt das ganze Dilemma und meinen
Schimpfanfall mit Lächeln und Kichern, bis ich mich selber
kaum vor Lachen halten kann.
Gestern und heute machte ich Tauchausflüge rund um unser
Unterwasserschiff. Der Bewuchs ist derartig dramatisch angewachsen
dass ich 3 Tauchgänge brauchte um eine Seite frei zu schaben.
Auf einer Seite sind die Seepocken fest mit der Farbe verwachsen,
auf der anderen blüht eine Kolonie von Seegurken. Nun ist
keinerlei Antifoulingfarbe am Rumpf übrig. Bis wir das Schiff
aus dem Wasser nehmen muss ich nun alle zwei Wochen den Bewuchs
abwaschen. Einen tüchtigen Muskelkater für diese ungewohnte
Kraftanstrengung habe ich mir auch geholt.
Am Sonntag war ein Tag zum Feiern. Nach 2 Jahren Umbauzeit konnte
ich Nina endlich ihren heiß ersehnten Kleiderschrank mit
Lamellentüren präsentieren. Das Projekte hatte ich immer
wieder verschoben, was mir oft Nina's Schimpftiraden einbrachte.
Doch nun haben wir ein weiteres Stück des Innenausbaus abgerundet.
Als weiteren Lichtblick werden nun meine Achterstag-püttingeisen
fertig gestellt. Den spanischen Schweißer musste ich seit
Januar regelmäßig daran erinnern mir diese Teile fertig
zu stellen. Immer hatte er eine Ausrede und ich aus Mangel an
Konkurrenz keine Alternative, als Warten.
So werden Nina und ich immer mal tagelang zur Fertigstellung eines
Umbaus angespornt, doch oft hemmen wir uns auch in Ausreden, Kinderhüten
und einer Art Apathie. Das halb fertige Dingi (Beiboot) wartet
nun auf einen neue Lieferung Polyester oder die Cockpithausdecke
braucht nur noch ein einziges Panel zum Fertigstellen. Es ist
als ob ich Angst hätte die Dinge zu Ende zu bringen. Diese
Bewegungslosigkeit wird immer dann stark wenn ich einfach nicht
weiß wie ich die einzelne Aufgabe lösen soll. Meist
habe ich klare Vorstellungen wie ich etwas reparieren will, doch
wenn ich dann davor stehe fange ich an zu zweifeln.
So ist das nun mit den Achterstag Püttingeisen, die ich ausgetauscht
habe und nun in den Rumpf mit Epoxydharz einlaminiere. Dazu wird
der Stahl aufgeraut und mit vielen löchern versehen in die
ich Glasfasern einlege und die Zugfläche auf das Laminat
zu vergrößern. Soweit ist die Sache theoretisch klar.
Aber wird das halten? Also konsultiere ich meine Bücher erneut.
Mit dem Laminieren der neuen Püttingeisen wird Amberella
wieder segelklar sein und wir überlegen einen Ausflug nach
Marokko zu unternehmen. Das allein spornt schon wieder an. Ein
Ziel und ein Termin bringen die Motivation wieder in Schwung.
Die Püttingeisen aus rostfreiem Stahl habe ich zuerst stark
aufgeraut und mit einigen Löchern versehen, ohne deren Stabilität
zu schwächen. In diese Löcher legte ich nun sehr viele
Glasfieberfasern in unterschiedlicher Länge sternförmig
aus. Im Bereich wo ich laminieren will legte ich nach der Vorbereitung
erst mal eine Matte Gewebe auf, dann das Eisen mit den Fasern
auf und nässte den Bereich gründlich mit Epoxydharz.
Dann folgte eine große Matte Gewebe die die Zugkräfte
auf das Eisen möglich weit verteilen soll. Wie in Form einer
Pyramide laminierte ich nun immer kleiner werdende Matten über
den Bereich. Somit ist das dem Rumpf angepasste und gebogene Püttingeisen
vollkommen zwischen zwei Kunststofflagen eingeschlossen, die Zugkräfte
werden verteilt. Zusätzlich hält eine Stahl-Platte das
gesamte Gebilde fest unter Deck und sollte das mir nach einiger
Zeit immer noch nicht ausreichen, kann ich die Eisen auch durch
die Rumpfschale verbolzen. Ich glaube jedoch das die originale
Konstruktion haltbar genug ist. Wenn man bedenkt dass der Stahl
der ausgetauschten Pütting gebrochen war bevor das Laminat
schaden nahm. Das sagt schon einiges über die gewaltigen
Kompensationskräfte von Kunststoff aus.
Also lockt nun wirklich langsam Marokko?
Neben all diesen Plänen steht natürlich immer wieder
unser Budget Problem. Bevor wir Roquetas für immer verlassen
müssen wir unsere Finanzen aufbessern. Im letzten Winter
konnten wir Arbeit auf den Werften In Rhodes finden und auch einige
Webprojekte füllten unser Budget. Nun stehen wir aber erneut
in einer fremden Umgebung und es dauert lange bis man Kontakte
zur Arbeitsfindung knüpfen kann. Nina sucht nun seit Januar
einen Job. Einige Interviews waren viel versprechend, andere schienen
nur auf Luft gebaut. Abwarten und hoffen. Wie wir den Alltag organisieren
wenn Nina Arbeit gefunden hat, wissen wir auch noch nicht.
Manchmal ist es schwer das Selbstvertrauen auf das "Wie wird's
weitergehen" aufrechtzuerhalten. Manchmal wiegen die Sorgen
ums Geld einfach zu schwer. Doch bisher haben wir immer irgend
einen Weg gefunden und so sollte es auch dies mal sein. Also genug
der Überlegungen.
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