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Tagebuch
Januar 2001
31. Januar 2001
Der Januar verging wie im Fluge, und nicht mal ein Bruchteil der
Liste an Aufgaben am Boot sind gelöst. Das ist ganz schön
frustrierend. Die Hälfte des Monats brachte ich mit einer
Stirnhöhlenentzündung zu, die mich nun fast jedes Jahr
einholt. Ich dachte immer, der Aufenthalt am Meer und die immer
frische Luft würden meine Allergien senken, doch weit gefehlt.
Jedes Jahr leide ich unter starkem Heuschnupfen, und im Frühjahr
ist oft eine Entzündung damit verbunden.
Nina und ich diskutieren nun oft über die Fortsetzung
des Projekts "Amberella". Ob es sich lohnt weiterzumachen,
oder ob wir nicht schon zu viel Zeit im Mittelmeer verbracht haben,
um jetzt noch zur grossen Fahrt aufzubrechen, wo doch Nastasja
in 2 Jahren zur Schule müsste. Das Problem ist dabei nicht
die Schule, denn das Lehren kann man auch als Eltern übernehmen,
sondern es sind die soziale Kontakte die Kinder in Nastasja Alter
entwickeln. Manche würden jetzt sagen, wir sollten uns nicht
sorgen, wo doch Nastasja bisher kein anders Leben kennt. Trotzdem
kommen soclhe Argumente immer wieder in Diskusionen zwischen mir
und Nina auf. Uns holen auch immer wieder die Argumente unserer
Gesprächspartner ein. Man wird immer wieder unterbewusst
beeinflusst. Genauso ist es auch mit dem Segeln. Wenn man ständig
über die Gefahren einer Seereise nachdenkt, läuft man
eines Tages nicht mehr aus dem Hafen.
Mich interessiert wie das Webtagebuch ankommt, und vielmehr ob
es denn Eindruck vermittelt, den ich eigentlich rüberbringen
will. Denn so nach dem Motto" Wir leben einen Traum..."
möchten wir uns nicht darstellen und oft zweifeln wir stark
über Sinn und Unsinn unseres Unternehmens. Einerseits weil
man ja auch unterbewusst stark beeinflusst wird, seien es Ratschläge
guter oder belehrender Art oder eben Argumente gegen unsere naiven
Meinungen. Oft spüren wir neben Erstaunen, Anerkennung auch
Unverständnis, gar Neid gegenüber unserem jetzigen Lebensstil.
Nicht so sehr von den Leuten, die uns schreiben sondern von den
älteren Fahrtenseglern oder Urlaubern die wir treffen ,die
uns oft mit ihrer Lebensgeschichte zu verstehen geben wollen,
dass wir ein Leben führen, wofür die "Alten"
doch so hart haben arbeiten müssen. Das wird nicht offen
ausgesprochen, man kann eine solche Einstellung aber oft spüren.
Das uns nicht geschenkt wurde und wir auf eigenem Budget reisen,
will oft niemand anhören. Uns wurde nichts geschenkt, wir
sind eben einfach hartnäckiger und somit schneller am Ziel.
Früher oder später dringen diese mahnenden Worte aber
dann doch in mein Unterbewusstsein und ich mache mir Sorgen über
die Zukunft, wie den Widereinstieg in den Beruf, Aufbau eines
Lebensstandart, Haus, Hund , Hof, all das, auf das ich bisher
aus reinem "Reiseegoismus" verzichtet habe. Ob das alles
richtig ist was wir machen? Wieso können gerade wir uns so
viel verschwenderische Zeit leisten und einfach nicht "normal"
leben? All diese Fragen zermartern mich nun öfter.
Andererseits sage ich mir immer wieder, dass ich genau die Erfahrungen
die ich mache, auch nur jetzt und genauso zu diesem Zeitpunkt
erleben will. In dieser Meinung werde ich auch oft von den Lesern
der Webseite und guten Seglerfreunden bestärkt. Und die Existenzängste?
Weniger Luxus, mehr Abenteuer. Wie wäre es langweilig, könnte
ich diesen Traum einfach mit dem Checkheft zahlen. Wir sind 24h
am Tag mit unseren Kindern in einer der schönsten Phasen
ihres Lebens zusammen. Ich denke das Wissen allein, um diese Erfahrungen
wiegt alle Probleme, die wir später im zivilen Leben erfahren
sollten, schon von vornherein auf. Eben gerade, weil wir noch
jung sind, können wir mit den Ängsten um die besser
Zukunft umgehen. Eine gewisse Naivität ist da nicht auszuschließen.
Doch mehr als Naivität überwiegt das eben Selbstbewusstsein.
Nina als Frau und Mutter hat da eben auch noch andere Ängste
auszustehen. Und so haben wir sehr oft Meinungsverschiedenheiten
und Gespräche über das "Vagabundenleben" und
die Zukunft.
Doch zurück zum Alltag: Nastasja geht
nun stolz zur neuen spanischen Schule (Kindergarten). Jetzt wo
sie eine von mir! genähte Schürze zum Malen bekommen
hat.
Gestern habe ich, stellt Euch vor, das erste Mal mit einer Nähmaschine
genäht. (eine alte Pfaff), Nina meinte nämlich die würde
nicht richtig nähen, und da habe ich mir alles erklären
lassen und los ging es. Gleich darauf habe ich Vorhänge und
Taschen angenäht. Tja versiert sind die neuen Männer.
gleich nähe ich nochmals einen Vorhang, den Nina zuschneidet.
Jetzt bekomme ich richtig Lust auf so eine alte Nähmaschine,
um Segel und Sonnenpersenninge nähen zu können.
Dann wurde heute die Holzleiste am Rumpf abgeschliffen. Das war
nötig, aber ein Heidenjob. Die meiste Zeit verbrachte ich
kopfüber und es war sehr anstrengend. Warum habe ich mir
bloß diese Arbeit aufgehalst? Irgendwann hatte ich mal auf
den Rat eines Seglers gehört und die Holzreling lackiert.
Das war dumm, denn so oft wie man das Holz nachlackieren muss,
komme ich gar nicht dazu. Die Reling wird nun nur noch geölt.
Kein Lack mehr. Bei der Sonne ist das quatsch. Das Ölen kann
man immer wiederholen und es sieht fast wie Lack aus. Man braucht
nicht mehr nachzuschleifen, sondern trägt einfach die nächste
Schicht Öl auf.
Selina hat nun endlich den ersten Zahn, nachdem sie gestern nachts
um Drei anfing zu brabbeln und uns auf Trab gebracht hatte.
Unsere Segelfreunde lassen auch wieder von sich hören.
Michel (Nomad) kommt in 4 Wochen wieder aus Belgien zurück
und, "Moby Dyck", Monika und Reinwald tauchte in Roquetas
auf und bleiben für einige Monate in der Nähe.
Am Sonntag den (28. Januar) ist Flohmarkt für Segler, da
fahren wir mal in den Nebenort und sehen ob wir was für uns
finden.
3. Januar 2001 Amberellas
Abenteuer sind wieder online. Nach
fast 4 Monaten Pause aufgrund diverser technischer Probleme konnte
ich die Fülle der Logbucheintragungen und Erlebnisse einigermassen
nachkonstruieren.
Alle
die weiterhin uns geschrieben haben und den Amberella Newsletter
bekamen, haben schon einen Vorgeschmack auf die erlebten Abenteuer
bekommen. Ich nenne nur einige. Sturm vor Sardinien, Wasserhosen
vor der Kamera, und Sinnflutartige Ueberschwemmungen sind
einige der kleinen Highlights auf Amberellas Weg zum Winterhafen
in Südspanien.

Das Jahr 2000 verlief äusserst
turbulent und war von vielen Erlebnissen und Emotionen geprägt.
Was im 2001 geschieht steht noch offen, doch eines darf ich verraten.
Wir werden die Amberella weiterhin fit machen für die grosse
Fahrt machen. Ob wir es dieses Jahr schaffen werden den Atlantik
zu überqueren hängt nun nicht mehr von den Leistungen
des Schiffes ab, den Amberella hatte dieses Jahr mehrfach bewiesen
dass sie zu mehr fähig ist. Vielmehr ist die Fortsetzung
der Reise Amberella eine organisatorische Herausforderung. Um
das Budget zu füllen werden wir diesen Winter wieder arbeiten,
die übrige Zeit wird für Amberellas Reparaturliste verwendet
und wenn dann noch Zeit bleibt versuchen wir noch einige Exkursionen
in Spanien zu machen um unsere tagebuchgeschichten aufzufüllen.
Vielen Dank an alle Leser
die uns immer wieder schrieben und Mut zusprachen, uns einen Sinn
gaben, diese einfache Webseite am Leben zu erhalten. Für
Euch und alle stillen Leser der Amberella Webseite wünschen
Selinas, Nastasja, Nina und Frank ein glückliches Neues Jahr.
Mögen Eure eigenen Träume in diesem Jahr in Erfüllung
gehen Gesund und Glueck zählt natürlich auch dazu.
Hier nun alle Tagebucheinträge
seit Juli2000 nachgeholt:
August,
September, Oktober,
November und natürlich noch

mehr
Tagebuchberichte im Dezember2000,
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