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Rhodos, Griechenland

Ich war nicht sicher ob Nina und Nastasja sich kaum 2 Tage nach ihrer Ankunft in der Türkei schon auf einen Segetörn einlassen würden, aber Nina hatte nichts dagegen und als das Wetter auch noch beste Aussichten versprach legten wir ab.

AMBERELLA wurde zurückgelassen und wir heuerten bei Georgs Yacht Isenisca, einer 15 Meter Reinke Sloop, an. Wir segelten mit Isenisca am Montag den 27.12.98 aus Fethiye. Wenig Wind und eine hohe Dünung machten gleich am Anfang einen Strich durch den perfekten Segeltörn.
Nachdem wir Fethiyes geschütze Bucht verliessen wurden wir von einem unangenehmen Wellengang durchgeschaukelt. Der fehlende Wind zwang zum motoren. Ohne Segel lag das Schiff nicht stabil und die hohen Wellen liessen auf einen weit entfernten und abgeklungenen Sturm schliessen. Nina wurde zum ersten Mal in ihrer Seglerkarriere blass und ihr war nicht sehr wohl. Nastasja hingegen sprang pudelwohl im Cockpit herum und liess sich die erhöhte Aufmerksamkeit gefallen. Sie trug auch kommentarlos ihre Rettungsweste wenn sie ins Cockpit kam.

Wir entschlossen uns die Reise mit einem Zwischenstopp in einer geschützen Bucht zu unterbrechen und hofften auf etwas Wind am nächsten Tag. Die Wellen würden vielleicht über nacht abklingen und segeln macht ja auch mehr Spass als mit dem Motor zu fahren.

Es war keine sehr schlafreiche Nacht, weil die hohe Dünnung in der Bucht kreuz und quer schlug.
Nina war nunmehr seit 2 Jahren nicht mehr auf See und Nastasja kann sich sicher nur im Unterbewusstsein ans Segeln während Ninas Schwangerschaft erinnern. Wie würden die zwei den ersten Segeltörn aufnehmen?

 

<Nastasja und Georg auf Isenisca


Wenig Wind und besagte 2-3 meter Welle zwang uns anfangs zu motoren. Auch mir und Georg war nicht so wohl bei dem Geschaukel. Nina hatte gerade eine erste kleine Seekrankheit vom Vortag überwunden. Doch dann war Razmus , der Gott der Winde, zur Stelle wir bekamen nach etwa 10 meilen auch genug Wind um Segel zu setzen. Isenisca fuhr mit gesetzten Segeln natürlich viel stabiler und einige blaue Flecken am Himmel frohlockten schon das schönere Segelwetter.

Der Wind frischte auf. Isenisca segelte sehr weich in den Wellen und Nina fand auch wieder Gefallen am Meer. Jetzt machte aber Nastasja etwas Sorgen die sich mit Orangen vollstopfte um sie kurz danach wieder auszubrechen. Oje oje dachte ich mir , doch Nastasja war sofort wieder fit und malte unentwegt mit ihren Malstiften im Cockpit Striche und Streifen...Man musste nur aufpassen, dass sie Georgs Polster nicht verschmierte. Überhaupt scheint Nastasja sich sehr gut allein beschäftigen zu können und die 6 Stunden Fahrt auf See waren keine Schwierigkeit oder langweilig für sie.

Rhodos war schon etwa 20 Meilen im Voraus zu sehen und wir lasen nun öfter die noch verbleibende Zeit bis zum Ziel am GPS ab.

Georg und ich waren besonders froh der Türkei mal den Rücken zu kehren und „Europa" zu besuchen, ein Weissbier zu geniessen und einfach keine mit Schleier verhüllten Frauen in Pluderhosen ansehen zu müssen.

Es war mein erster Besuch in Griechenland. Rhodos begrüsst den Seemann mit imposantem Blick auf die Stadtmauern der Stadt. Das gigantische Festungswerk macht schon einen rechten Eindruck. Wir machten direkt an der Stadtpier Mandraki fest und beeilten uns von Bord zu kommen. Mit schwankenden Beinen (etwas Landkrankheit) schlenderten wir durch die Stadt, staunten über die pingelig sauberen Gehwege, sahen den gut gekleideten Frauen nach und genossen Gyros und Bier.

Rhodos ist das Land der Motorroller. Die sind überall und sehr zahlreich.
Wenn man so lange in der Türkei verbracht hat, fallen einem sofort die Sauberkeit ( da gibts eben an jeder Ecke einen Papierkorb, etwas was die Türken wohl nie lernen werden) und die schöne Architektur und die Leute auf. Alles ist stilvoller als im genauso touristischen Fethiye, der Türkei.
Rhodos ist vielleicht ein extremes Beispiel für geförderten Tourismus. Verständigungsprobleme gibt es keine. Man spricht Deutsch oder Englisch. Alles ist blitzblank und die Gehwege sind mit runden Steinchen in verschieden Mustern verziert. Ja ja die Griechen, haben eben Zeit für so aufwendige Strassengestaltung!
Einer buddelt hier im Kanal und 4 stehen mit den Händen in der Hosentasche herum und kommentieren das neu Geschaffene.

Wir gingen in einen Supermarkt und sahen mit grossen Augen und offenem Mund all die Dinge die man in der Türkei nur selten findet wie deutsche Wurtswaren, Schinken und Speck, diverse Markenartikel, etc etc. Wir bunkerten für ein paar Monate Waren.
Ich nutzte gleich den ersten Tag um noch einige Besorgungen fürs Boot, AMBERELLA, zu machen und kaufte auch einen nagelneuen Gasherd und Kocher.

Sylvester wurde ein Auto gemietet und wir fuhren nach Lindos, etwa 40 km südlich auf der Insel. Nicht ein einziger Tourist ist zu dieser Jahreszeit anzutreffen und so ist gesamt Lindos verschlossen, kein Souvenier-, Juwelier oder sonstiges Geschäft geöffnet. Wir sahen uns die Antoni-Quinn Bucht schon auf der Hinfahrt an und ein einen Teil der Burg Lindos. Wir verzichteten darauf die hohen Eintrittspreise für die alten Gemäuer in Lindos zu zahlen und gingen auf eigene Tour. Wir fanden mehr Spass dabei eine Taverne in einem weiter gelegenen Dorf aufzusuchen, den alten Griechen am Stammtisch zuzusehen und eine halbes Huhn zu verzehren.
Der Retsina ein in harzfässern gekelterter Wein hat seinen eigenen gewöhnungsbedürftigen Geschmack. Doch schliesslich mussten wir uns den Sitten der Einheimischen anpassen;-)

Den Abend verbrachten wir in einer Bar mit Livemusik. Die Band spielte excellenten Sound. Nina und Nastasja waren nicht so unternehmenslustig und verbrachten den Start ins neue Jahr auf dem Boot.
Viel Betrieb war in der Nacht aber so und so nicht. Die Griechen verbringen Sylvester meist in Familie und es wird eigentlich erst der 1. Januar gefeiert. Am 1. Januar ist nämlich Namenstag des Vassili und weil 30 % der Griechen Vassili oder Vassilika heissen, somit in jeder Familie mindestens 1 Vassili vorhanden ist wird privat im Kreise der Familie gefeiert.


Das schöne Wetter blieb uns treu und wir spazierten am Neujahrstag in der schönen Altstadt von Rhodos. Diese Altstadt ist wirklich absolut sehenswert. Mann kann sich sehr schnell das Leben aus alter Zeit hier vorstellen, wenn man in alten Gassen und Burggräben umherwandelt. Die Hinterhöfe sind besonders schön angelegt mit steinernen geschwungenen Treppen, runden Bögen und schönen Balkonen und Terassen.
Wieder mal sinnte Nina darüber nach wie man hier leben könnten. Häuser? Was? Wir haben ein Boot! Wann wird sie sich ans Seglerleben gewöhnen? Georg meint: „wenns einem besser geht" als ihm auf dem Schiff, dann soll er es sagen und er würde sofort dorthin gehen!

Das Wetter schlug dann am 3. Januar um und wir bekamen Wind.
Als erste Idee entschlossen wir uns zum Drachenfliegen. Georg besitzt einen kleinen Gleitschirm den man mit 4 Steuerleinen fliegen lässt.
Ein absoluter Spass. Die Windstärke zog zwischen 6-8 an und der Gleitschirm mit ca 140 cm Spannweite entwickelte ein Kraft und hob mich fast vom Strand ab.
Nastasja war ganz verrückt danach auch an einer Leine zu halten... Sie ist momentan echt gut drauf und schwatzt sehr viel zusammen. „iich auch.." ist so ein Schlagwort von ihr.

Nun blieb der starke Wind aber konstant und unsere Abreise war fraglich.
Genau wie vermutet entwickelte sich eine Störung und Windstärken von 7-8 fesselten uns im Hafenbecken von Rhodos. Die türkische Küstenwache warnte ebenfalls vor Starkwind und 4 Meter Wellen. Im Mittelmeer sind die Wellen recht kurz und somit viel kraftvoller als lange ausgedehnte Oceanwellen.

Also entschieden wir uns noch einen Tag in Rhodos verbringen.
Nina war schon nervös und wollte gern nach Fethiye. Wir hatten für 3-4 Tage Reise gepackt und lernten unsere erste Lektion, dass man beim Segeln immer mit allem Wetter rechnen sollte, daher immer auf alle Dinge gefasst sein sollten, wie z.B ungeplante Verlängerungen.

Das Warten auf besseres Wetter hielt nun 3 Tage an. Ab und zu versprach der Himmel Besserung, doch dann zog es wieder zu und wir waren nicht sicher ob es gut gewesen wäre früh morgens abzulegen oder zu bleiben. Die Wellen mussten noch eine gute Höhe in der Rhodossee haben. Entweder war starker Wind oder gar keiner, So ist das nun mal. Fehtiye musste warten.

2 Tage hatten wir ausgeharrt und dann versprach das Wetter sich schon früher zu bessern als vom Wetterbericht angesagt. Ein perfekter Segeltag. Blauer Himmel und eine gute Brise versprachen Segelspass pur.
Wir klarten den Anker und freuten uns auf Fethiye.
Zu halber Strecke starb dann leider der Wind aus und wieder musste der Motor helfen, doch alles in allem eine schöne Fahrt zurück.

Frank Schefter
AMBERELLA@schefter.net © 1999