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Fethiye nach Rhodos

Die Passage von Fethiye nach Rhodos, war eine Leerstunde für uns Anfänger!

Unsere erste Passage von "nur" 40 Seemeilen war eine schweisstreibende Erfahrung. Mit dem richtigen Wind kann man die Strecke in 7-8 Stunden segeln. Mit dem falschen Wind und einem alten Boot braucht man mehr als 2 Tage. Uns geschah das Letztere.

Wir starteten von Fethiye an einem sehr frühen Dienstag Morgen. Meist ist kein oder wenig Wind am Morgen, so nutzten wir die Gelegenheit die Bucht mittels Motor zu verlassen in der es sonst gegenan blasen würde. Der Wetterbericht sagte Winde in Staerke 3-4 aus Südwest voraus. Die Windrichtung war nicht ideal, denn Rhodos lag im Westen, aber wir wollten hoch nordwestlich segeln, um dann in erwarteter windstiller Nacht per Motor nach Rhodos zu steuern. Nach Rhodos wussten wir von anderen Seglern, wird es nie leicht.

Zuerst war alles in Ordnung. Wir hatten einen Zwischenhalt nach 10 Meilen in einer kleinen Bucht geplant, sollte "draussen" mehr Welle sein als erwartet, doch es sah in Ordnung aus und wir machten weiter. Als wir den Golf von Fethiye verliessen nahm der Wind an Stärke zu und bliess nun aus Nordwest. Das war unsere geplante Richtung und so wechselten wir den Kurs auf Südwest. Das würde uns auch näher an Rhodos bringen. Doch nicht lange danach merkten wir, wie wir zu weit suedlich abfielen, also setzten wir neuen Kurs, diesmal Nordnordwest. Der Wind schwang von Südwest, auf West und Nordwest, genau immer auf unsere Nase und wir machten kaum etwas vorwärts. Unser Optimismus schwand ein wenig.

Beim Betrachten der Seekarte entschieden wir uns hinter einer sehr kleinen Insel zu ankern, um dort vom Wind geschützt etwas auszuruhen. Doch als wir dort ankamen sahen die Felsen nicht sehr gastfreundlich aus. Wir ankerten trotzdem, aber an Ruhe war nur wenig zu denken. Die Wellen schlugen um die Insel und wir schaukelten tüchtig auf und ab. Nun hofften wir der Wind würde bei Nacht sich wie gewohnt legen und wir könnten ein wenig mit dem Motor Richtung Rhodos motoren. Genau so war es. Wenig Wind und abnehmende Welle kündigten sich an. Wir starteten den Motor und wollten den Anker heben. Pech, die Ankerwinde bewegte sich nicht. Ein kurzer Blick und ich sah das Übel. Ein Kabel hatte sich vom Schalt-Relais gelöst. Das war ein kleines Problem und binnen kurzer Zeit fuhren wir unter Motor in die Vollmondnacht.

Nach 5 Meilen fiel der Motor aus. Klasse, genau was wir uns wünschten. Mehrere Startversuche. Kein Erfolg. Immer noch übermüdet legten wir uns, ziemlich frustriert, erst mal zur Ruhe und trieben langsam auf jetzt ruhigen See umher. Wir hätten es mit dem Motor bis Rhodos in dieser Nacht schaffen können. Mit meinen wenigen Kenntnissen für Dieselmotoren hatte ich zuerst keinen Plan, wie ich das Problem lösen sollte. Am frühen Morgen sah ich mir die Dieselfilter an. Die sahen okay aus, für mein Verständnis. Ich pumpte etwas Kraftstoff per Hand und siehe da, der Motor lief. Also jetzt aber weg von hier, dachten wir, aber nur etwa 15 Minuten und der Motor war wieder aus. Was war das bloss?

Doch nun war wenig Zeit darüber nachzudenken, denn schon früh kam eine Brise auf. Wir setzten Segel und gingen hart am Wind in Richtung Südwest. Bei diesem Kurs würden wir knapp an Rhodos vorbei segeln. Zumindest kommen wir der Sache näher. Doch dieser Gedanke war nur von kurzer Dauer. Der Wind nahm stark zu und es blies uns immer mehr südlich. Die Wellen wurden höher und steil und bremsten die Fahrt. Nastasja wurde seekrank und Nina machte sich grosse Sorgen. Bisher lief alles gegen uns. Wir reduzierten die Segel, und suchten nach einer Entscheidung. Ganz wage im Dunst sahen wir Rhodos. Bloss von dort blies der Wind. Bei dieser Stärke war ein Aufkreuzen nervenaufreibend. Wir würden an Rhodos mit grossem Abstand vorbeisegeln.

Wir versuchten es trotzdem. Wir kreuzten den Kurs, um zu sehen wie hart wir gegean segeln konnten. Die kurzen und steilen Wellen jedoch bremsten das Boot fast zum Stillstand. Immer wenn eine grosse Wellen uns abbremste, war das Steurern für einige Zeit unmöglich. Wir fielen ab, nahmen Fahrt auf, steuerten gegenan und Peng eine neue Welle bremste uns zum Stillstand. Das war nicht sehr gemütlich.

Als ich mal nach hinten sah, bemerkte ich wie sich gerade unser Dinghy (Beiboot) von der Leine löste. Wir sind Idioten, hatten wir doch mehrmals daran gedacht das Dinghy an Deck zu nehmen. Nun war es zu spät. Nicht die Leine löste sich, sondern die komplette Frontseite, wo das Beiboot vertaut war brach weg. Das war die richtige Zeit um ein "Mann über Bord" Maneuver unter Segel zu üben.

Im Kürze hatten wir das Grossegel geborgen und steurten nur mit kleiner Fock auf das Dinghy zu. Im ersten Anlauf gelang Nina genau ran zu steurn und ich versuchte es mit dem Bootshaken zu Greifen. Aber es war nur eine kleine seitliche Handleine vorhanden. Wie sollten wir bei diesem Wetter das Dinghy an Bord bekommen, ohne Festmacher. Ein zweiter Anlauf riess mit den Bootshaken aus der Hand. Keine Chance, bei den Wellen würde ich nicht ins Beiboot springen, Leinen vertauen und wieder an Bord kommen. Nina lies dies nicht zu und ich war auch nicht so scharf darauf. Also gaben wir das Dinghy auf. Unsere Dummheit hatte uns sofort eine Lehre erteilt. Jetzt war der Frust mehr als offensichtlich. Wir fluchten um die Wette.

Wir segelten nun den zweiten Tag und kamen Rhodos kaum näher. Nun wieder in Sichtweite lag der Golf von Fethiye! Dorthin würde es sehr leicht gehen. Einfach mit dem Wind zurück. Aber dazu war ich noch nicht bereit. Nina wollte aufgeben, war aber auch nicht ganz sicher. Nur mit der Fock, steuerte das Schiff von allein gegenan. So liess ich die Pinne los und döste im Cockpit. Nastasja brauchte auch immer wieder etwas Ablenkung, denn Ihr ging diese Reise auf den Magen. Im letzten Jahrt seglten wir diese Strecke mit SY Isenisca und Georg. Da war fast alles perfekt. Nicht so diesmal. Sie fühlte sich schlecht, musste mehrmals brechen, doch schlief zum Glück den grössten Teil.

Georg hatten wir gerade im Funk gehört und riefen in an. Er war auch auf dem Weg nach Rhodos, doch er kam aus Simi. Wir hofften auf seine Hilfe beim Anlegen in Rhodos, falls der Motor nicht mitspielt. Es war gut zu wissen, dass er in Funkreichweite war.

Jetzt hatten wir etwas Glück. Wir wussten aber noch nichts davon. AMBERELLA steurte immer weiter südwestlich. Rhodos verschwand schon lange im Dunst, aber wir sahen die Türkische Küste. Das musste in der Nähe von Marmaris sein. Rhodos lag also jetzt südlich, in segelbarem Winkel. Wir steuerten noch höher und näher an die türkische Küste um sicher zu gehen. Ohne GPS und nur mit alter Karte bewaffnet, waren wir auf Küstennavigation angewiesen. Sicher waren wir nicht.

Nun war wieder Windstille und wir trieben umher, versuchten etwas zu schlafen. Nina weckte mich besorgt, weil wir zu nah an die felsige Küste trieben. Kein Wind, kein Motor. Ich sah mir den Diesel nochmals an und er lief erneut für ca 20 Minuten. Genug um von der Küste wegzukommen. Gegen zwei Uhr nahm der Wind wieder auf und wir machten südlichen Kurs. Endlich Richtung Rhodos!

Nina sah einige Lichter südlich. Ich jedoch nicht. Wir argumentierten, stritten und zweifelten, doch dann war es klar. Vor uns lag Rhodos und wir konnten darauf zusteuern. Die Brise entwickelte wieder ihre volle Kraft und wir waren noch vor dem Morgengrauen sehr nahe. Nina machte den kleinen Mandrakihafen aus und wir kreuzten bis zum Sonnenaufgang vor der Einfahrt.

Jetzt waren unsere Nerven voll angespannt. Ich stellte fest, dass die Maschine immer länger lief, wenn man mit der Handpumpe den Diesel nachpumpt. Unser Plan war nun also unter kleinem Segel, so weit wie möglich in den Hafen zu laufen, den Heckanker zu werfen und vorwärts am Dock anzulegen.

So machten wir es. Nina pumpte ununterbrochen Diesel, die Maschine lief stockend, aber lief. Wir fuhren ein. Das Hafenbecken war total überfüllt. Endlich sah ich einen Platz zwischen zwei Motoryachten. Ganz in der Nähe war Georgs Schiff. Ich warf den Heckanker, liess die Kette und die Leine laufen und steurte auf die Lücke zu. Der Wind blies auch hier stark aus west und drückte uns weg. Ein zweiter Anlauf war besser, doch erneut wurden wir zur Seite gedrückt, berührten leicht das grössere Motorschiff. Zum Glück kam gleich der Bezitzer der Motoryacht und nahm eine Leine, um uns an seinem Schiff zu vertauen. Etwa 30 Minuten lagen wir Bug zu Bug. Wenigstens unser Anker hielt. Dann tauchte Georg auf und half uns beim Einfahren. Nina war am Bug fenderte uns ab, Georg holte die Heckleine ein, damit sie nicht in die Schraube kommt und ich steurte AMBERELLA in die Lücke. Geschafft und erleichtert machten wir fest.

Noch am gleichen Tag wurden wir aufgefordert das Dock zu verlassen, da es reserviert für Charterboote wäre, doch nach einem kurzen Auszug aus unserer Odysee durften wir bleiben, bis unsere Probleme gelöst würden.

Innert zwei Tagen machten wir AMBERELLAs Motor wieder flott. Es stellte sich heraus, dass der Kraftstoff Wasser enthielt. Ich reinigte den Tank komplett, wechselte die Filter und der Fall war gelöst. Doch nun stellte ich fest, dass das hydraulische Getriebe alles Oel verloren hatte. Wie es ohne Oel noch funktionierte ist mir bis heute ein Rätsel. Ich nahm es auseinander, schnitt neue Dichtungen und füllte Oel nach. Glueck gehabt, es funktionierte weiterhin. Nina nähte an den Segeln, die teilweise gelitten hatten.

Mit Georg tauschte ich sein Ersatzschlauchboot gegen ein flexibles Solarpanel. Wir würden den Tausch rückgängig machen sobald ich ein günstiges Dinghy kaufen konnte. Somit verliesen wir nach zwei Tagen Rhodos, und segelten etwa 8 Meilen südlich an den Faliraki Strand, wo wir die Ankunft von Ninas Mutter erwarteten. Sie macht hier Urlaub um uns nach 8 Monaten wieder einmal zu sehen.

© AMBERELLA diary 1999 mehr Reisegeschichten der SYAMBERELLA und Ihrer Crew